Startseite/ Deutschland hat einen neuen Bundespräsidenten: Christian Wulff
Merkliste (0)Die Kür des Bundespräsidenten wurde spannender, als es die eigentlichen Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung hergaben. Zweimal verpasste der CDU/CSU-und FDP-Kandidat Christian Wulff die erforderliche absolute Mehrheit. Erst im dritten Wahlgang setzte er sich dann gegen Joachim Gauck durch. Ein Wahl-Marathon von fast 10 Stunden – die längste Bundesversammlung der deutschen Geschichte.
623 Stimmen – das war die magische Marke der absoluten Mehrheit für Christian Wulff, die sich überraschend im ersten und zweiten Wahlgang als allzu hohe Hürde darstellte. Beim ersten geheimen Urnengang kam Wulff lediglich auf 600 Unterstützer – ein völlig unerwarteter Verlauf der Bundesversammlung deutete sich an. Offenbar verweigerten etliche Wahlleute aus den Unionsreihen ihr Votum für den 51-jährigen Ministerpräsidenten aus Niedersachsen. Stattdessen erhielt der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck zu seiner Überraschung mehr Stimmen als je erwartet. Im dritten Anlauf hätte er gar mit Hilfe der Stimmen der Linkspartei zum neuen Bundespräsidenten gewählt werden können. Doch diese konnte sich nicht zu einer Gauck-Wahl durchringen, was ihnen deutliche Kritik aus SPD und Grünen einbrachte.
Bundespräsidentenwahl als Denkzettel für Merkel und Schwarz-Gelb
Ein herber Dämpfer – weniger für Christian Wulff selbst als für Schwarz-Gelb, das eigentlich eine satte Mehrheit von 644 Delegierten in der Bundesversammlung aufwies. Ein gehöriger Denkzettel auch für Kanzlerin Angela Merkel und die Regierungskoalition in Berlin. Merkel sowie Roland Koch und CSU-Chef Horst Seehofer redeten den Delegierten vor dem dritten Wahlgang offenbar heftig ins Gewissen, wie Teilnehmer berichten. Eigentlich sollte von der Bundesversammlung schwarz-gelbe Geschlossenheit und ein Neuanfang nach den Turbulenzen der letzten Wochen ausgehen.
Ironie des Wahl-Marathons: Im dritten Durchgang dann errreichte Wulff die so ersehnte absolute Mehrheit, die er dann gar nicht mehr benötigt hätte. Ein weiteres Indiz für eine warnendes Ausrufezeichen an Angela Merkel im Anlauf eins und zwei.
Wulff neuer Hausherr im Schloss Bellevue
„Ich nehme die Wahl außerordentlich gerne und aus Überzeugung an und freue mich auf die verantwortungsvolle Aufgabe“, erklärte Wulff nach dem Wechselbad der Gefühle sichtlich erleichtert bei seiner Antrittsrede. Zuvor musste er noch sein Amt als Niedersachsens Regierungschef niederlegen. Der neue Hausherr im Schloss Bellevue ist der jüngste Bundespräsident der deutschen Historie.
-tv-
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