Startseite/ Alles nur geklaut? Die Farce um den Entwurf für Duisburger Loveparade-Gedenkstele
Merkliste (0)Was ist bloß mit Duisburg los? Im Jahr 2010 jagt hier ein Fauxpas den nächsten. Nachdem der Wirbel um die Loveparade-Katastrophe sich einigermaßen gelegt hat und nicht täglich neue Meldungen über Beschuldigungen oder das unprofessionelle Verhalten der Loveparade.Verantwortungsträger die Runde machen, schafft es Duisburg immer noch, in einer gewissen Regelmäßigkeit den Peinlichkeits-Vogel abzuschießen. Aktuell dreht sich alles um die Gedenkstele für die Opfer.
Aus 37 Einsendungen von Duisburger Künstlern wurde ein Vorschlag erwählt, um ihn in Form einer Gedenkstele am Tunnel der Karl-Lehr-Straße, dem Ort der Loveparade-Katastrophe, zu realisieren. Die Wahl fiel zunächst auf ein Gebilde des Künstlers Jürgen Meister. Die Silhouette von Menschen, welche die Hände in die Höhe reißen – nicht zu erkennen, ob dies aus Freude oder aus Angst geschieht – aus einer Stahlbramme gestanzt und mit rotem Rost überzogen, diese Skulptur soll an die Geschehnisse des 24. Juli 2010 erinnern. So einigte sich zumindest die Jury unter der Leitung von Altbürgermeister Josef Krings.
Bild der Freude?
Wie schön, dass die Damen und Herren über soviel Fantasie verfügen und es schafften, in ein Bild der Freude die unnachgiebigen Schreie um Hilfe von Opfern, von Toten und Verletzten, hinein zu interpretieren. Dass es unmissverständlich ein Bild der Freude ist, zumindest im Ursprung, zeigte sich, als ein Leser des Blogs xtranews die Skulptur erkannte und sie einer Grafik zuordnen konnte, welche zur freien Verfügung auf dem Fotografie-Portal Fotolia zu erwerben ist.
Demnach ist das vermeintliche Kunstwerk von Jürgen Meister nicht nur fragwürdig, sondern ganz offenbar nur geklaut. Ob es nun rechtliche Konsequenzen gibt oder nicht, stellt sich dennoch die Frage, ob es angemessen ist, 21 Toten und vielen hundert Verletzten mit einer Stele zu gedenken, deren Form bereits auf unzähligen Flyern erschienen ist und darauf für das rege Treiben eines Events werben sollte.
Marcel Duchamp-Zitate sollen den Künstler retten
Auf die Anschuldigung des Bildklaus reagierte Jürgen Meister mit einer Stellungnahme. Darin beruft er sich auf das Beispiel des Marcel Duchamp, der schon 1914 als Kunst präsentierte, was er selbst nur käuflich erworben hat. Vielmehr prägte dieser die zeitgenössische Kunstauffassung dahingehend, dass die Auswahl bereits existierender Erscheinungen und deren Versetzen in einen künstlerischen Zusammenhang bereits ein künstlerischer Akt sei. So jedenfalls zitiert Jürgen Meister Duchamp in seinem Schreiben.
Doch ob Duchamp von 79 Cent teuren Grafikdownloads sprach, die eins zu eins an eine Stanzmaschine weitergegeben werden? Und ob dieser auch angesichts der Bedeutung dieses „Kunstwerkes“ an seiner Theorie festhalten würde, ist ebenso fraglich.
Berichten von xtranews zu Folge hat sich auch die Urheberin des Werkes von Fotolia zu Wort gemeldet und prüft bereits, inwiefern rechtliche Schritte gegen Jürgen Meister eingeleitet werden können, da sie in dieser Verwendung eine moralisch fragwürdige Sinnentfremdung sieht.
Unterdessen hat sich auch die Jury rund um Josef Krings noch einmal zusammen gesetzt und beschlossen die Wahl von Jürgen Meisters Vorschlag zu widerrufen und im Januar einen neuen Künstler von den verbleibenden 36 Einsendungen zu wählen. Meister reagierte promt und zog seinerseits den eingereichten Entwurf zurück. Er begründete seinen Entschluss mit der Rücksichtnahme auf die Komission, behielt sich aber vor, jegliche Schuld einzugestehen.
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