Kohle, Stahl und Fördertürme – das Ruhrgebiet wird landesweit auf seine Industrievergangenheit reduziert. Doch das Ruhrgebiet hat eine weit ältere und bewegendere Geschichte. Immer wieder beeinflussten Ereignisse der Region die Geschichte des Landes. Einer dieser historischen Taten wird ab Morgen in einer eigenen Ausstellung in Herne gedacht.
Der 7. November 1225 war ein nass-kalter Tag. Engelbert der I., Erzbischof von Köln, war gerade auf der Rückreise von Soest über Schwelm, wo er die Kirche weihen wollte, nach Köln. Engelbert war nicht nur mächtiger Erzbischof, sondern auch ein einflussreicher Territorialfürst. Seine Macht nahm in letzter Zeit immer mehr zu. Auf dem Hohlweg nahe Gevelsberg geschah es dann: Engelbert I. und sein Tross gerieten in einen Hinterhalt.
Ausgerechnet Graf Friedrich von Isenburg, der Neffe des Erzbischofs, lauerte dem nichtsahnenden Engelbert mit mindestens zwanzig schwerbewaffneten Männern auf (einige Quellen gehen von bis zu vierzig Angreifern aus). Als die Gruppe um Engelbert den Hohlweg passierte, schnappte die Falle zu. Die Männer Friedrichs stürzten sich auf ihr Opfer. Als dieses sich zu wehren wusste, schlugen diese brutal auf den Geistlichen ein. Engelbert I. starb; in einer gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner Knochen im Jahr 1978 zählten die Mediziner knapp 50 schwere Verletzungen.
Engelbert I., der mit seinem Neffen Friedrich im Streit um dessen Vogteirechte über die Reichsabtei Essen lag, wurde wohl Opfer einer Intrige mehrerer westfälischer Adliger, denen der Erzbischof von Köln zu mächtig wurde. Allerdings sollte er nur entführt werden, der Tod Engelberts war ein unglückliches Missgeschick der Entführer. Engelbert I. wurde in der Folgezeit wie ein Heiliger verehrt. Selbst Walther von der Vogelweide widmete ihm zum Gedenken ein Gedicht. Graf Friedrich von Isenburg wurde kurz nach dem Attentat in Köln durch Rädern hingerichtet. Die Knochen des Erzbischofs liegen heute in einem Schrein im Kölner Dom.
Der Überfall löste im Ruhrgebiet eine Zeit der Umstürze und Veränderungen aus. Unzählige Kleinkriege folgten. Es entstanden Burgen in einer Vielzahl wie nie zuvor, Adelsfamilien gewannen an Macht und Einfluss und stiegen ebenso schnell wieder ab. Einige der Burgruinen der heutigen Region entstammen dieser Epoche. Selbst die Zersplitterung der Region, wie sie heute noch präsent ist, geht auf das damalige Ereignis zurück. So entstand unter anderem die Stadt Hamm in Folge der Machtspielchen der damaligen Zeit. Angeblich wurden die Besitzungen Friedrichs nach dessen Tod von Adolf I. von der Mark übernommen. Dieser siedelte die Bürger von Nienbrügge in ein Gebiet zwischen Lippe und Ahse aus und gründete dort 1226 die Stadt Hamm.
AufRuhr1225! – größte Mittelalterausstellung
Das LWL-Museum für Archäologie in Herne widmet diesem geschichtsträchtigen Ereignis ab Samstag die größte Mittelalterausstellung, die es jemals im Ruhrgebiet gegeben hat. 1000 Exponate auf 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche erinnern an die blutige Tat auf dem Hohlweg bei Gevelsberg. Ein extra angefertigter 25 Meter hoher Burgturm steht als stummer Zeitzeuge vor dem Eingang. Durch das schlechte Wetter der vergangenen Tage, wird dieser allerdings erst im März fertig gestellt sein.
AufRuhr 1225! – Ritter, Burgen und Intrigen ist ein RUHR.2010-Projekt und wird von Museen ganz Europas unterstützt. Der berühmte Barbarossa-Kopf aus Cappenberg, die Reliqiuenbüste Engelberts oder 500 Kilogramm schwere Silberbarren, welche das Kopfgeld für die Auslieferung des Mörders symbolisieren, werden den Besuchern präsentiert. Die Ausstellung ist in drei Themenbereiche gegliedert: Das Mittelalter an Rhein und Ruhr, Leben auf der Burg, Ruhrgebiet ist Burgenland.
Richtig eintauchen in das Mittelalter können die Gäste des LWL-Museum bei einigen Mitmachaktionen. Zeitgenössische Kleidung, Instrumente und Arbeitsmaschinen können erforscht und ausprobiert werden. 785 Jahre nach dem Anschlag stehen Engelbert I. und Graf Friedrich von Isenburg wieder im Fokus der Region.
-sos-
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