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\Weltfriedenstag\" wurde in Dortmund mit Naziaufmarsch und Sitzblockaden gefeiert"""

Dortmund hat Naziaufmarsch ohne schwere Schäden überstanden

 
Dortmund , Mo. 06.09.2010, Autor: Ernst
 

Am vergangenen Samstag befand sich Dortmund im Ausnahmezustand. Die Stadt wurde von Seiten extrem Rechtsdenkender auserkoren, ihren „nationalen Antikriegstag“ zu begehen – in Form einer Demonstration, die ursprünglich durch die Nordstadt führen sollte, einer Kundgebung und eines Konzertes mit stark polarisierenden Inhalten. Obwohl einige Tag vor der Demonstration selbige untersagt wurde, gab es am Samstagmorgen dennoch grünes Licht für den Protest. Die Stadt reagierte mit friedlichen Gegenaktionen - die „Linken“ mit Aufstand.

Seit Wochen bereitete sich die NRW-Polizei, die Stadt Dortmund und deren Bürger auf den Naziaufmarsch am 4. September vor. Die ursprüngliche Planung bezog einen Demonstrationszug durch Dortmunds schwierigstes Viertel mit ein – die Nordstadt, deren Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bemerkenswert hoch ist. Das schürte Angst nicht nur bei den Gegnern, unter denen sich neben politisch Hochengagierten auch solche befanden, deren alltägliches Leben immer wieder von Rechts tangiert wird – wie eben die Bewohner der Nordstadt.

Gut geplante Gegenwehr

Als „Gegenschlag“ wurden Mahnwachen, Sitzblockaden, Kundgebungen und ein buntes Fest mit Headliner Purple Schulz von Seiten der liberalen Bürger bis hin zu extremen Linken. Als zwei Tage vorher aufgrund von Vermutungen eines geplanten Anschlages die Nazi-Demonstration verboten wurde, gab es ein hörbares Aufatmen in Dortmund. Doch wurde sich zu früh gefreut – am Tag X gab es wieder grünes Licht, da die Gefahr doch nicht so groß schien, um die Freiheit zur Demonstration in diesem Fall einzuschränken.

Daraus resultierte ein ereignisreicher Tag für Dortmunds Bürger und solche, die zum Zwecke der Teilhabe extra angereist waren. Noch bevor der rechte Mob sich tatsächlich formierte, wurden bereits Sitzblockadler aus dem Umfeld der Linkspartei von den Gleisen am Hauptbahnhof geräumt – Nach Auskunft der NRW-Fraktionsvorsitzenden der Linken, Bärbel Beuermann, ging die Polizei bereits hier ein wenig zu aggressiv vor. Von „schmerzhaften Nasen- und Ohrengriffen“ berichtete Frau Beuermann gegenüber den Medien.

Auch andernorts wurden bereits früh Teile der linken Gegenproteste aufgelöst und festgesetzt. Dabei kam es zu diversen Ausschreitungen und rund 100 Festnahmen. Die Damen und Herren der rechten Szene hingegen gaben sich anfangs höchst gesittet – dieser Wesenszug gehört ja nun auch zu ihren größten Tugenden. Jedoch auch denen wurde die permanente polizeiliche Regulierung der Wege und Aufenthaltsorte irgendwann zu viel. Kurz nach 13 Uhr wurden alle noch verfügbaren Polizeikräfte plötzlich über ihren Aufbruch gen Dortmund Scharnhorst informiert.

Spontane Planänderung der Rechtsextremen

Dort waren um die 500 Neonazis so spontan gewesen, einige Bahnstationen vor dem Ziel Hauptbahnhof den Zug zu verlassen, um unkontrolliert in Richtung City zu marschieren. Doch der Polizei gelang es auch, diese Eskalation in einem Kessel zu verwandeln und damit die Versammlung aufzulösen – was meint, die vielgenutzte Parole „Nazis raus“ wurde in die Tat umgesetzt. Per Polizeibus ging es für die meisten Teilnehmer des Aufbegehrens auf eine begleitete Reise nach Hamm.

Doch auch der Gegenprotest hielt noch einige Überraschungen bereit: am einen Ort gab es eine Sitzblockade mit 500 Teilnehmenden, am anderen wurde - wieder von der Linken – eine Spontandemonstration angemeldet, deren Teilnehmerzahl sogar bis auf 1.000 anstieg. Einzig das Friedensfest, welches unter dem Motto „bunt statt braun“ mit Musik á la „verliebte Jungs“ von Purple Schulz dem Unmut der Bürger Ausdruck zu verleihen versuchte, verlief wie Wochen zuvor geplant. Wie schön, dass einige wenige sogar Spaß an diesem Tag hatten.

Davon konnten die eingesetzten Polizisten nicht reden – unter denen gab es sogar sieben Verletzte. Vier davon auf der linken, die anderen auf der rechten Seite der Aufstände. Im Bericht der Polizei taucht außerdem auf, dass „im Bereich des zunächst vorgesehenen Auszugsweges der rechtsextremen Szene“ mehrere selbstgebaute Rauchtöpfe und Chinaböller sowie „ein Erddepot mit Chemikalien und Vermummungsmaterial“ gefunden worden ist. Weiterhin heißt es hier: “Eine Zuordnung dieser Gegenstände zur rechts- oder linksextremen Szene ist zurzeit nicht möglich“.

 

-de-


 

 

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