Bei den Ermittlungen in Sachen Loveparade-Katastrophe vom 24. Juli ist auch über drei Monate nach der Tragödie mit 21 Toten noch kein Ende in Sicht. Alles andere als Stillstand, nämlich ein ständiges Hin und Her, herrscht jedoch in den Duisburger Planungen, was mit dem Loveparade-Gelände – als Teil des Großprojekts „Duisburger Freiheit“ – geschehen soll.
Sie gelten nach wie vor als der Orte des Schreckens und der Trauer: Das Areal rund um den alten Güterbahnhof und der Tunnel mit trauriger Berühmtheit an der Karl-Lehr-Straße in Duisburg. Hier sollte vor über drei Monaten eine friedliche Technoparty steigen, die in einem Desaster mit bekannten Folgen endete.
Kann ein solcher Ort jemals wieder "erblühen" oder ist er dazu verdammt, auf ewig Brachgelände zu bleiben? Vor dieser Frage stehen die Stadtverantwortlichen in Duisburg nicht.
Vom Filet-Grundstück zum Schauplatz des Schreckens – und zurück?
Denn schon lange vor dem Tag der Loveparade war klar, dass genau hier auf dem insgesamt 35 Hektar (!) großen Nordquartier zwischen Bahnlinie und Autobahn A 59 mitten im Duisburger Zentrum etwas spektakuläres Neues entstehen soll, ein Prestige- und Vorzeigeprojekt.
Zunächst die sogenannte „Duisburger Freiheit“ - der Entwurf von Star-Architekt Norman Foster, der Büros und Wohnungen für 10.000 Menschen sowie einen Park von 135.000 Quadratmetern vorsah.
Als im Mai dann Möbel-Riese Kurt Krieger um die Ecke kam und einen Großteil des Geländes des alten Güterbahnhofs kaufte, stand fest, dass die Duisburger Freiheit in ursprünglicher Form nicht Realität werden würde. Zumindest auf dem Südost-Teil soll nämlich ein gigantisches Möbelhaus Höffner eröffnen. Höchstens noch im Westen könnte das Konzept der „Duisburger Freiheit“ umgesetzt werden: als abgespeckte Mischung aus Wohn-, Büro- und Geschäftsbebauung.Nach Bedenken bei der Duisburger Politik und vielen Institutionen sicherte Krieger dies auch zu.
Möbelhaus Höffner auf dem alten Güterbahnhofsgelände vs. Möbelhaus Ostermann in Meiderich
Rund 100 Millionen Euro will Krieger anscheinend in das Möbelzentrum stecken. Einen solchen Investor stößt man nicht vor den Kopf – auch wenn einige Stadtoberen lange der „Duisburger Freiheit“ in Reinform nachweinten.
Doch das mit dem „Nicht-vor-den-Kopf-stoßen“ nahm man in Duisburg vor Kurzem nicht so genau. Denn plötzlich soll mit einem Möbelhaus Ostermann in Obermeiderich, gleich neben IKEA, stadtgemachte Konkurrenz entstehen, wie kürzlich bekannt wurde. Alle Pläne rund um den alten Güterbahnhof kämen damit erneut ins Wanken.
Duisburgs Planungsdezernent Dressler im Fokus
In den Fokus gerät auch Duisburgs Planungsdezernent Jürgen Dressler, der angeblich gar Geheimverhandlungen mit Möbel Ostermann gehalten haben soll, was dieser aber entschieden zurückweist.
Entscheidungen und Beginn des Plannungsverfahrens wohl im Dezember
Wie die Sache letzten Endes ausgeht – eigentlich weist alles auf Krieger und die Möbelhaus-Option auf dem Güterbahnhofsgelände hin – wird sich vermutlich Ende des Jahres entscheiden. Spätestens die Ratssitzung im Dezember soll Klarheit bringen.
Loveparade-Gedenkstätte auf Duisburger Güterbahnhofsareal fest geplant
Was auch immer auf dem Güterbahnhofsgelände entsteht: Ein Ort der Erinnerung an die Loveparade-Tragödie soll auf jeden Fall erhalten bleiben – sei es in Form eines Denkmals, einer Kapelle oder eines „Raums der Stille“. Wenigstens das ist tröstlich zu wissen.
-tv-
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