Kleider machen Leute. Auch beim Fußball. Mitte der Achtziger war man schon ein Held, hatte man ein Original-Trikot. Ich hatte keins. Deshalb trug ich auf dem Sportplatz immer ein weißes T-Shirt mit „11-Klinsmann“ auf dem Rücken. Natürlich in roter Schrift – man hält sich ja an Vereinsfarben. Mein Bruder hatte ein Original-Shirt. Von Andre Winkhold. Was ihn nicht zuletzt zu einem beliebten Spieler bei der Mannschaftswahl machte. Und dann gab es da noch den unsportlichen Nachbarsjungen. Sein total ausgewaschenen, abgetragenes, hässliches Shirt zeigte schon von weitem: Achtung, ich kann nix.
Als ich letzten Samstag das Spiel Schalke 04 – VfL Bochum sah, erinnerte ich mich sofort an diesen Nachbarsjungen. Denn er lief in elffacher Ausführung über den Platz. Ob die Bochumer Spieler den Schalkern damit zeigen wollten „Strengt euch nicht an, wir können eh nix“ will ich jetzt mal nicht unterstellen. Aber den Eindruck einer Profi-Fußballmannschaft hinterließen sie nicht gerade. Ausgewaschenes Rosa mit dunkelblauen Bündchen und einem Rot-Gelbem Sponsorlogo auf der Brust, ist für jeden Spieler die absolute Höchststrafe. Mein Mitleid hatten, neben den Spielern, aber vor allem die VfL-Anhänger, die mit der Rolle des ewigen Kleinen hinter den beiden großen Brüdern S04 und Borussia schon genug Leiden müssen. Nicht nett von Vereinsseite, den gegnerischen Fans nun eine solche Steilvorlage für Hohn und Spott zu liefern. Allerdings solidarisiert sich auf Gegners Seite ein Spieler mit den Bochumern. Dortmunds Roman Weidenfeller hat sich im VfL-Shop bereits ein „Brombeerjoghurt-Rotes“ Leibchen gekauft und trägt es stolz bei jedem Bundesligaspiel.
-sos-
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