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Evonik sagt Ja: Ruhrgebiets-Stadtwerke angeln sich wohl Stromriesen Steag

Evonik sagt Ja: Ruhrgebiets-Stadtwerke angeln sich wohl Stromriesen Steag

 
Ruhrgebiet , Di. 14.12.2010, Autor: voßnacke
 

3-2-1 – und der Zuschlag geht an die Stadtwerke von Duisburg, Essen, Dortmund, Bochum, Oberhausen und Dinslaken. Der Verbund der sechs Revier-Stadtwerke hat offenbar das Rennen um den Stromriesen Steag gemacht und kauft eines der größten Energieerzeugungsunternehmen Deutschlands vom Essener Evonik-Konzern. Der spektakuläre Coup, der wochenlang die Gemüter in den Ruhrgebiets-Kommunen wie im Landtag erhitzte, könnnte damit eine neue Ära einläuten. Doch noch müssen am Donnerstag vier Stadträte der Übernahme zustimmen.

Mehr als zehn Jahre ist es her, dass der Strommarkt vollends liberalisiert und die staatliche beziehungsweise kommunale Energieversorgung in private Hände gelangte. Seitdem dominieren Branchenriesen wie EON, RWE, EnBW, Vattenfall und Evonik die Stromerzeugung.

Comeback der Städte in Sachen Energierversorgung

Jetzt wollen die Städte und Gemeinden im Ruhrgebiet wieder ein gewaltiges Stück vom Kuchen abhaben. Da kam es gerade recht, dass der Essener Evonik-Konzern seine Stromsparte Steag veräußert – den fünftgrößten Stromerzeuger in Deutschland mit einem Jahresumsatz von fast 3 Milliarden Euro. Steag hat rund 4.800 Mitarbeiter und betreibt elf Kohlekraftanlagen: acht in Deutschland, und drei im Ausland, so in der Türkei, Kolumbien und auf den Philippinen.

Strom als lukratives Geschäftsfeld für klamme Kommunen

Klar, dass es da längst nicht mehr nur um eigene Versorgungsnetze und Standortinteressen im Ballungsraum Ruhrgebiet geht, sondern um ein lukratives Geschäftsfeld für die finanziell gebeutelten Kommunen.

Die Stadtwerke von Duisburg, Essen, Dortmund, Bochum, Oberhausen und Dinslaken schlossen sich kurzerhand zu einem gemeinschaftlichen Konsortium zusammen – und stellten eine Summe von 649 Millionen Euro auf die Beine. Das Gebot an Evonik – und eine Investition, die sich in Zukunft mehr als rechnen soll.

Gestern dann eine Vorentscheidung des Evonik-Vorstands zu Gunsten der Stadtwerke: 51 Prozent der Anteile sollen erst einmal in kommunale Hand gehen, der Rest zu einem späteren Zeitpunkt. “Wir freuen uns über die Entscheidung des Evonik-Managements“, erklärte Hermann Janning, Vorstandschef der Stadtwerke Duisburg und Sprecher des Stadtwerke-Konsortiums Rhein-Ruhr, dem WDR.

Finanzieller Kraftakt sorgt(e) in Kommunen und Landtag für Sorgenfalten

In den letzten Wochen gab es hitzige Debatten sowohl in den Stadträten als auch im Düsseldorfer Landtag. Letzterer musste extra die Gemeindeordnung ändern, um den Stadtwerken derartige Investitionen zu ermöglichen. Vor allem FDP und CDU sprechen von unabwägbaren ökonomischen Risiken für die ohnehin klammen Kommunen. Vor allem der Einstieg anderer privater Investoren sei dringend von Nöten, um den finanziellen Kraftakt zu stemmen

Machtverschiebung im Energiesektor?

Experten betonen jedoch immer wieder die Chancen für das entstehende „größte kommunale Versorgungsunternehmen Deutschlands“. Vor allem im Hinblick darauf, dass zahlreiche Konzessionen der Städte an die großen Energieunternehmen, Strom gegen Gebühren zu vermarkten, bald auslaufen, sei davon auszugehen, dass Städte diese nicht neu vergeben werden, wie das Handelsblatt analysierte. Die Kommunen wollen selbst in den Wettbewerb einsteigen und vom Energiemarkt profitieren. Eine Machtverschiebung im Energie-Sektor bahnt sich an...

 

-tv-

 

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