Die nachhaltigen Prinzipien traditionsreicher Familienbetriebe könnten dazu beitragen, dass Kapitalmarktkrisen wie die derzeitige zukünftig verhindert werden. Zu diesem Schluss kommt angesichts der jüngsten Entwicklungen Torsten Groth von der Universität Witten/Herdecke. Die derzeitigen Turbulenzen würden der Welt die Chance eines Zeitfensters geben, "in dem alle erkennen, dass es so nicht weitergeht". Neue Formen der Wirtschaft müssten diskutiert werden, wofür Familienbetriebe gute Vorbilder seien, betont der Wirtschaftsexperte.
Die aktuelle Finanzkrise verdeutliche zahlreiche Missstände des Kapitalmarktes - im Bereich des Wirtschaftssystems wie auch auf Unternehmensebene. "Falsche Anreize werden gesetzt", analysiert der Sozialwissenschaftler Groth, "Aktienkurse prämieren kurzfristiges Handeln und das Management der Konzerne versuchte bisher vor allem, möglichst hohe Profite zu erwirtschaften." Erst jetzt ist allen bewusst geworden, dass das Volumen einiger Großbanken gesamte Volkswirtschaften in den Abgrund stürzen könnten.
Um Krisen wie die derzeitige künftig zu vermeiden, sieht Groth die Prinzipien familiärer Großunternehmen als gute Modelle für positive Entwicklungen. Anders als börsennotierte Unternehmen bedeutete für Familienbetriebe "Erfolg" nicht Gewinnmaximierung, sondern die Überlebenssicherung. Ihr Funktionsprinzip ähnle dem der Treuhandschaft, skizziert Groth: "Mit einem Gut, das von den Vorfahren ererbt ist, muss man gut wirtschaften, um es der nächsten Generation weiterzugeben". Wie ein Staffelläufer seinen Stab weiterreicht, sei das Lebenswerk von Familienunternehmern erst bei der erfolgreichen Übergabe geschafft.
Das zweite Erfolgsprinzip sei das der Haftung mit eigenem Vermögen, aufgrund welcher die Familienbetriebe selbst Konsequenzen ihrer Entscheidungen tragen. Um ihre Existenz nicht aufs Spiel zu setzen, nähmen sie von hochspekulativen Geschäften Abstand. "Viele bisherige Investment-Entscheidungen, die zur aktuellen Krise führten, wären unter diesen Gesichtspunkten gar nicht oder völlig anders gefallen", vermutet Groth.
Damit sich solche Wertmaßstäbe durchsetzen können, seien mehrere Maßnahmen nötig. "Der Kapitalmarkt braucht andere Anreize als der Börsengewinn. Die Frage lautet: Gelingt es dem Vorstand, ein Unternehmen auch nach 15 Jahren noch gut dastehen zu lassen?", so Groth. Der Aspekt der Haftung, der längst im Aktiengesetz verankert sei, werde derzeit kaum angewandt, müsse jedoch bei der Bonifikation zum Tragen kommen. Eine an den Erfolg gebundene Auszahlung an den Vorstandsvorsitzenden, die erst fünf Jahre nach einer Entscheidung erfolgt, würde nachhaltiges Handeln fördern. Daneben müsse die Politik die Existenzsicherung statt den Börsenkurs als Maßstab stärker in den Blick nehmen, bemerkte der Experte abschließend.
Aussender: pressetext.deutschland
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