(pst) Solch ein umfassendes Schiffsregister gibt es wahrscheinlich weltweit kein zweites Mal: Die Rheinschifffahrt auf mehr als 55 Regalmetern, in rund 30 Jahren zusammengetragen, säuberlich in Ordnern abgeheftet. Sie enthalten Informationen zu wahrscheinlich einem Großteil, wenn nicht aller Schiffe, die in dieser Zeit den Rhein befahren haben. Erhard Schuppert hat sie gesammelt. Im April dieses Jahres starb der ehemalige Rheinschiffer. Jetzt kaufte die Fördergesellschaft des Museums der Deutschen Binnenschifffahrt von seinen Erben die komplette Sammlung. In der Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft übergab der Vorsitzende Caspar Berninghaus die Neuerwerbung offiziell an das Museum.
Museumsleiter Heinrich Kemper: „Ein Schiffsregister von diesem Umfang hätte vom Museum nicht erstellt werden können. Ich bin Herrn Berninghaus und dem Kuratorium der Fördergesellschaft für ihr Engagement sehr dankbar.“ Den Erben war vor allem eines wichtig, so Klaus Schuppert, der Sohn des Verstorbenen: „Wir wollten nicht das Lebenswerk meines Vaters auseinander reißen. Wir haben zahlreiche Anfragen von Sammlern erhalten, die sich jeweils ‚Filetstückchen’ herausnehmen wollten. Auch andere Museen waren interessiert.“ Im Binnenschifffahrtsmuseum jedoch bleibt die Sammlung komplett erhalten und, das ist der Witwe, Magdalene Schuppert, besonders wichtig, sie bleibt öffentlich zugänglich und wird weiter geführt.
Denn Schuppert öffnete sein Privatarchiv jederzeit bereitwillig für Fachleute, Schiffer und Modellbauer. Nachkommen von Schiffseignern oder ehemalige Besatzungsmitglieder, Forscher oder Studenten: Sie alle sind schon auf der Suche nach einem bestimmten Schiff unter vielen zehntausenden oder nach einer längst geschlossenen Reederei fündig geworden. Auch der Computer des Sammlers wird im neuen Archivraum aufgestellt. Ein Teil des Verzeichnisses ist hier digital angelegt. Gut die Hälfte des gesammelten Wissens ist auf diese Weise per Suchfunktion auffindbar.
Klaus Schuppert: „In den Ordnern ist alles verzeichnet, was sich im Lebenslauf eines Schiffes ereignet. Vieles davon zusätzlich in Form von Fotos und Original-Dokumenten.“ Das Netzwerk des Sammlers funktionierte gut: Machte irgendwo eine Reederei dicht, war er schneller als der Reißwolf. Überall entlang des Rheines hatte er Freunde und Bekannte, die für ihn Fotos machten und ihm Daten schickten. Besonders interessant für die weitere Forschung, so Schuppert: „Die Informationen sind sehr komplex und umfassend. Aber das System, das mein Vater angelegt hat, ist so einfach aufgebaut, dass jeder es sofort selbst bedienen kann.“ Das macht es den Nachfolgern leicht, das Register fortzuführen.
Entstanden ist die Keimzelle dieses einzigartigen Schiffsverzeichnisses übrigens aufgrund einer Wette. Klaus Schuppert: „Mein Vater fuhr jahrelang als Schiffsführer auf dem Rhein. Als ich zur Welt kam, ging er an Land, damit die Familie zusammen blieb. Sein Herz gehörte jedoch immer der Schifffahrt.“ Eines Tages wettete er deshalb mit Freunden, wem es wohl gelingen würde, als erstes alle Informationen zur Krupp-Flotte zusammenzutragen.“ Im Nu hatte Schuppert senior alles zusammen. Schuppert junior: „Er stellte fest, wie viel Spaß ihm die Recherche gemacht hatte und beschloss, das auf die gesamte Rheinschifffahrt auszuweiten.“
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