Ein Konzert mit Gabriela Montero ist regelmäßig eine aufregende Entdeckungsreise. Wenn die Pianistin aus Venezuela im Konzertsaal eigene und vom Publikum vorgegebene Melodien aufgreift und frei fortspinnt, führt ihre grandiose Improvisationskunst an immer neue, oft auch unvermutete Ufer. Zuletzt konnte das Publikum dies beim Klavier-Festival Ruhr 2008 erleben, als Gabriela Montero mit Fantasie und Einfühlungsgabe aus dem „Steigerlied“ eine traurige und berührende Hommage an vergangene Zeiten schuf.
Was unter klassisch ausgebildeten Musikern in der Regel verpönt ist, erscheint der 1970 in Caracas geborenen Pianistin ganz normal: kreativ mit dem „sakrosankten“ Notentext umzugehen und sich vom Strom der Musik forttragen zu lassen. Das macht Gabriela Montero zu einer idealen Partnerin für die engagierte und inzwischen breit gefächerte Education-Arbeit des Klavier-Festivals Ruhr, das Kinder und Jugendliche in ihrer Kreativität fördert und so zu einem tieferen Verständnis für Musik und Kunst führen will.
Dazu zählt ein umfangreiches Discovery-Projekt zum Thema „Folk Songs“, bei dem Grundschüler aus Duisburg-Marxloh und Altenessen-Süd die kulturelle Vielfalt des Ruhrgebiets über die Lieder ihrer Heimat entdeckten. Im Vorfeld sammelten die Kinder Melodien in ihrem familiären Umfeld (Eltern, Großeltern etc.). Dabei lernten sie nicht nur Lieder aus ihrer Herkunftskultur kennen, die in den Familien oft nicht mehr aktiv gesungen werden, sondern erfuhren zugleich auch mehr über die eigene Familiengeschichte und die Erinnerungen, die mit diesen Melodien verbunden sind. Dieser Prozess wurde von den Kindern und Lehrern gemeinsam dokumentiert. In der zweiten Projektphase studierten die Kinder dann ausgewählte Lieder in der jeweiligen Originalsprache ein und erfanden in zahlreichen Musikworkshops unter der Leitung von Richard McNicol eigene Begleitungen zu den Melodien. Darüber hinaus führte die chinesischen Tänzerin Yasha Wang an einer der beteiligten Schulen über mehrere Monate Tanzworkshops zum Thema Folk Song durch. Der Höhepunkt des Projekts ist eine gemeinsame Aufführung mit Gabriela Montero. Am Montag, 25. Mai, 18.30 Uhr tritt sie in der Philharmonie Essen gemeinsam mit den Kindern auf und improvisiert über einige der Folk Song-Bearbeitungen der Grundschüler.
Um 20 Uhr gehört die Bühne des Alfried Krupp Saals in der Philharmonie Essen dann ganz der Venezolanerin. Ihr ursprünglich angekündigtes Programm hat die „Echo Klassik“-Preisträgerin nunmehr ergänzt. Sie beginnt mit den Sechs Klavierstücken op. 118 von Johannes Brahms, einem Spätwerk von großer Gedankentiefe. Südamerikanisches Temperament bringt im Anschluss die Klaviersonate Nr. 1 op. 22 des Argentiniers Alberto Ginastera ins Spiel, mit der die Pianistin ihr Programm fortsetzt. Der zweite Teil des Abends steht dann, wie bereits angekündigt, ganz im Zeichen der grandiosen Improvisationskunst, mit der die Pianistin jeden Konzertsaal in kürzester Zeit in einen Ort der Inspiration und des intensiven Austausches mit dem Publikum verwandelt. Gabriela Montero wird eigene und vom Publikum vorgegebene Themen aufgreifen und in fantasievoll multistilistischer Manier fortspielen.
(Karten gibt es an der Abendkasse, unter der Ticket Hotline 0180/ 500 18 12 oder direkt und platzgenau im Internet unter www.klavierfestival.de)
pm/eRe