Startseite/ NRW-Arbeitsmarkt: Neue Zahlen der Agentur für Arbeit lassen aufatmen - oder doch nicht?
Merkliste (0)Wo die einen auf die verspätete Anhebung der Hartz-IV Leistungen warten, reden die anderen von einer entspannteren Lage auf dem NRW-Arbeitsmarkt. Die Agentur für Arbeit veröffentlichte jetzt ihre Jahresendabrechnung mit tollen Zahlen: Aufschwung in Sicht! Doch was steckt wirklich hinter den Statistiken?
Die Agentur für Arbeit kann pünktlich zu Weihnachten frohe Kunde verbreiten: Die überraschende Erholung des Arbeitsmarktes so kurz nach der Wirtschaftskrise. Im Jahr 2010 waren im Durchschnitt 781.000 Menschen bei der Agentur für Arbeit gemeldet, die ohne eine Beschäftigung dastanden. Die horrende Zahl ist aber dennoch wesentlich kleiner als im Jahr 2009 in welchem es rund 21.400 Menschen mehr waren. Dieser Erfolg ist in der Tat bemerkenswert, hat man doch mit zunehmender Verschlechterung dank den Ausläufern der Wirtschaftskrise gerechnet.
Drängende Fragen an überraschend gute Zahlen...
Doch was ist geschehen, dass die befürchtete Eskalation nicht eintraf und wie kommt es, dass in 2011 die Arbeitslosenzahlen noch weiter sinken sollen? Experten prophezeien gar, dass bei anhaltender konjunktureller Entwicklung bis zum Ende des Jahres 2011 erstmals seit dem Jahr 1992 die Grenze von 700.000 Menschen unterschritten werden könnte.
Und wie geht es den Menschen, die nun zwar nicht mehr in der Statistik „Arbeitslose“ sondern als „Geringstverdiener“ auftauchen? Ist mit den Änderungen der Arbeitsmarkt-Regeln eine Verbesserung für die Menschen eingetreten, oder lediglich für die Statistiken?
Kurzarbeit, 400,-€ - Jobs und Co: Wie arbeitet NRW nach der Krise wirklich?
Seit 2008 merkte man in Deutschland am eigenen Leib, was es heißt in einer Wirtschaftskrise zu stecken. Nicht unbedingt die Endverbraucher waren betroffen, sondern zumeist Produktionsbetriebe. Die bis dahin recht stabile Lage geriet plötzlich arg ins Schwanken und veranlasste viele Arbeitgeber zu Kündigungen unter ihren Angestellten. Der Staat musste handeln und erließ zunächst vorübergehende Regelungen um Kündigungen zu vermeiden. Die beliebteste wurde dabei die Kurzarbeit. Zwar verloren Angestellte so nicht ihren Arbeitsplatz und konnten sich einer gewissen Grundversorgung sicher sein, mussten aber dennoch aus den Töpfen der Arbeitslosenversicherung finanziert werden.
Andere griffen auf die 400,- €- Jobs zurück und beschäftigten zwar mehr Menschen, konnten dadurch aber den hohen Sozialabgaben entgehen, die wiederum aus den Staatskassen gestellt werden müssen. Betrachtet man die neuesten Zahlen der Agentur für Arbeit also einmal differenzierter, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Arbeitslosenzahlen zwar zu verzeichnen ist, damit in vielen Fällen aber weder den Arbeitnehmern geholfen wird noch der Staatshaushalt wesentlich entlastet ist.
Wer also, außer der Agentur für Arbeit selbst, die sich liebend gern auf die eigene Schulter klopft, freut sich wohl über die neuen Zahlen, die so kurz vor Weihnachten erscheinen?
-de-
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