Großes Kino in Essen. Zur Premiere des Film-Epos Henri 4 gab sich die große Politprominenz die Ehre. Neben NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers schritt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel über den roten Teppich. Der teure Historienfilm startet am Donnerstag in den deutschen Kinos.
Heinrich Mann schrieb die Romanvorlage. Sein Zweiteiler über den Religionskrieg im Frankreich des 16. Jahrhunderts stellte Produzentin Regina Ziegler und Regisseur Jo Baier vor eine große Herausforderung. Fast zehn Jahre dauerte die Umsetzung des Films und verschlang 20 Millionen Euro. Der zum Teil mit öffentlichen Geldern finanzierte Historienschinken löste auf der Berlinale Special Gala Unmutsäußerungen des Publikums aus. Die Geschichte und die Figuren überzeugen zwar nicht, die Bilder machen den Film durchaus sehenswert.
Frankreich 1563. Protestanten und Katholiken kämpfen im Namen des Glaubens um Land und Macht. An der Spitze der Protestanten rüstet Henri von Navarra (Julien Boissielier) gegen Paris, gegen die Katholiken, gegen die mächtige Rivalin seiner Mutter: Katharina de Medici, Königin von Frankreich (Hannelore Hoger). Sie bietet ihm die Hand ihrer Tochter Margot (Armelle Deutsch) - als Zeichen der Versöhnung - die Hochzeit endet in einem Blutbad. Henri überlebt die Bartholomäusnacht. Er wird im Louvre wie ein Gefangener gehalten, nach vier Jahren gelingt ihm die Flucht. Fünf Mal wechselt er seinen Glauben, er kämpft und taktiert. Er will das Feld nicht denen überlassen, die kein Gewissen haben und keine Menschlichkeit. Auf seinem Weg zum Thron wird er zu einem Monarchen, der sich als einer der ersten einen wahren Humanisten nennen darf.
Auch wenn Henri 4 das Thema Bartholomäus-Nacht behandelt, das Massaker an knapp 30.000 Hugenotten in Paris spielt nur eine Nebenrolle. Ein Vergleich zu Patrice Chéreaus grandioser Verfilmung Die Bartholomäusnacht mit Isabel Adjani von 1994 verbietet sich deshalb. Genau dieser Vergleich wird Henri 4 aber zum Verhängnis. Jo Baier versucht die Geschichte um die einzelnen Protagonisten zu erzählen. Der historische Genozid birgt aber den Zündstoff und die Spannung im Leben von Henri IV. und Katharina de Medici. Automatisch hat man deshalb Patrice Chéreaus Meisterwerk im Hinterkopf. Die Story von Henri 4 ist nicht immer nachvollziehbar, die Figuren zu überzeichnet, um ernst genommen zu werden. Die Kameraführung von Gernot Roll und die grandiose Musik von Hollywood-Legende Hans Zimmer entschädigen aber für vieles. Henri 4 scheitert an dem Anspruch, mit den großen Historienfilmen aus Hollywood mithalten zu können. Die Reaktionen des Berliner Publikums waren allerdings maßlos übertrieben.
-pm/ sos-
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