„Es war einmal… In einem von Nazis besetzten Frankreich“. Wie ein Märchen fängt Tarantinos 160-Minuten-Streifen an und ein Märchen ist er auch. Zumindest reine Fiktion. Ein französischer Milchbauer bekommt Besuch von einem deutschen SS-Offizier, der auf der Suche nach versteckten Juden ist. Was nun folgt, sind mehr als 20 Minuten purer Nervenkitzel und zeigt von Anfang an, wo die Stärke des Filmes liegt: In seinen grandiosen Schauspielern und den genialen und mitreißenden Dialogen. Die Anfangsszene erinnert stark an den Beginn von „Spiel mir das Lied vom Tod“ und ist nur eine von vielen Anspielungen auf die Filmgeschichte. Tarantino zeigt im Laufe des Werks immer wieder seine Liebe zum Kino. So ist es nicht verwunderlich, dass ein paar Filmrollen zum Untergang des Dritten Reiches führen.
„Inglourious Basterds“ besteht aus nur fünf Szenen. Mehr braucht der Film auch nicht. Anders als befürchtet, ist der Streifen keine Gewaltorgie oder reines Nazi-Gemetzel. Nicht der Baseballschläger rächt sich hier an den Kriegsverbrechern des Dritten Reiches, sondern die bis ins kleinste Detail überspitzten Figuren.
SS-Offizier Hans Landa (Christoph Waltz) lässt die Familie der Jüdin Shosanna (Mélanie Laurent) ermorden. Diese flieht nach Paris und eröffnet ein kleines Kino. Ausgerechnet hier soll die Premiere des neuesten Propagandawerks Joseph Goebbels (Sylvester Groth) steigen – in Anwesenheit des Führers (Martin Wuttke) höchstpersönlich. Für Shosanna der perfekte Zeitpunkt ihrer Rache. Auch der britische Geheimdienst will die Gunst der Stunde nutzen und die komplette Nazi-Führungsriege ein für alle mal auslöschen. Sie holen sich dabei die Hilfe der „Inglourious Basterds“, einem Haufen jüdischer Nazi-Killer unter der Führung des amerikanischen Lt. Aldo Raine (Brad Pitt).
Schauspielerische Glanzleistungen
Unglaublich, wie die einzelnen Schauspieler sich gegenseitig zu Höchstleistung treiben. Allen voran der Österreicher Christoph Waltz und die Französin Mélanie Laurent, die beide für ihr Spiel mindestens eine Oskarnominierung verdient hätten. In der Szene ihres ersten Wiedersehens nach dem Mord an Shosannas Familie, zeigen beide Darsteller ihr wahres Können. Waltz spielt den vielsprachigen SS-Offizier Landa mit einer Intensität, dass er es schafft jede Szene an sich zu reißen, und das in einem Film, indem jeder Schauspieler über sich hinauswächst. Selbst Brad Pitt steht in den gemeinsamen Szenen im Schatten des Österreichers. Obwohl er mit dem Südstaatler Raine wieder einmal einer absoluten Kultfigur Leben einhaucht. Nur die Deutsche Diane Kruger, die einen Filmstar mimt, wirkt total deplaziert und spielt dermaßen hölzern, dass es weh tut. Ansonsten ist der Film bis in die kleinste Rolle perfekt besetzt und die deutsche Schauspielriege zeigt der Welt, was sie kann.
Zweites Plus des Films sind die Dialoge. Seit „Pulp Fiction“ kennt man Tarantinos Stärke im Umgang mit dem gesprochenen Wort. Landas „Ratten“-Dialog mit dem französischen Bauern offenbart den Wahnsinn des Krieges mehr, als jede Gewaltszene es je tun könnte. Die Vielsprachigkeit des Films tut da ihr Übriges. Dass der Film aber auch so gar nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat, ist zweitrangig. Er ist eine Kriegsgroteske und sollte auch so verstanden werden. Seit Charlie Chaplins grandioser Abrechnung mit dem Dritten Reich in „Der große Diktator“ hat es kein Film mehr geschafft, Hitler und Co. dermaßen bloßzustellen. Tarantino schaffte genau dies fast 70 Jahre später.
-sos-
Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.ruhrportal.de/inglourious-basterds.html
Wie bewerten Sie diesen Artikel?
Kommentare Bitte beachten Sie die Verhaltensregeln
Schreiben Sie uns Ihre Meinung
Ihre Meinung zu: Inglourious Basterds
Beliebteste Suchanfragen
Beliebte Schlagworte
BVB Bochum Disco Dortmund Duisburg Essen Gastronomie Gelsenkirchen Golf Hamburg Kaufen Kino Loveparade Musical NRW Partx Rihr Ruhrgebiet Schalke