Mo. 24.08.2009,
Autor: Labatzki
Jetzt mal Hand aufs Herz. Waren Sie schon einmal im Kino, um den politischen Trailer einer Splitterpartei als filmisches Gesamtkunstwerk zu huldigen? Sicher nicht, aber für Horst Schlämmer, alias Hape Kerkeling, macht man da schon einmal eine Ausnahme. "Horst Schlämmer - Isch kandidiere“ heißt der neueste Filmcoup des gebürtigen Recklinghauseners und damit lockt er gerade Hunderttausende in die Revierkinos.
Aber gehen wir zunächst ein paar Jahre zurück in die Vergangenheit. Die Figur Horst Schlämmer wurde 2005 ursprünglich für die RTL-Sendung Hape trifft entwickelt. Gleich in der ersten Folge war die Figur mehrfach Teil der Sendung. Der grau-beige-farbene Trenchcoat, die schwarze Herrenhandtasche am Arm, das Fläschen Doornkaat und der Schlämmer-Grunzer sind seitdem zu einem bekannten Markenzeichen der Kultfigur geworden. Der Grevenbroicher Horst Schlämmer ist aus der Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken.
Jetzt der erste Kinofilm mit dieser Kunstfigur in der Hauptrolle. Ein Marottenkönig aus Grevenbroich auf Wahlkampftour. Sicher das Sympathischste, was wir im Superwahljahr 2009 im politischen Genre zu sehen bekommen. Seit Donnerstag läuft der Film „Horst Schlämmer - Isch kandidiere“ in den bundesdeutschen Kinos. Die Story klingt einfach: Getrieben durch den Frust, als Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ nur Kleingartenvereine und Provinzpolitiker interviewen zu dürfen, macht sich Horst Schlämmer mit Doornkaat-gestärktem Selbstbewusstsein auf den Weg in die große Politik. Und zwar als Spitzenkandidat seiner eigenen Partei, der HSP (Horst Schlämmer Partei).
Politisches Ziel, bescheiden wie wir Horst Schlämmer nun mal kennen – ist der Chefsessel im Kanzleramt. Zahlreiche Interviews mit Lokalpolitikern stehen also an, um das politische Profil des Grevenbroicher Bürgerlichen ins rechte Licht zu rücken. Hier entlarvt der Spitzenkandidat auf subversive Schlämmer-Art den politischen Einheitsbrei der Politiker und führt sie so manches Mal liebenswert aufs Glatteis. Schnell ist sein Ziel im Rennen um die Kanzlerschaft erreicht. Nur Angela Merkel und Horst sind noch im Rennen und das Duell mit Angela Merkel, die Kerkeling selbst spielt, ist wohl das, was man im Film eine heiße Wahlkampfphase nennt. Temporeich geht es zu und so einige Politikergrößen wie Claudia Roth oder Jürgen Rüttgers müssen sich so manche Doppeldeutigkeit von Horst Schlämmer gefallen lassen. Eine Politsatire eben, wie wir sie von Hape Kerkeling zu erwarten haben.
- gala -
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