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Kommentar zur Kulturhauptstadt RUHR.2010

Kommentar: Das war also die Kulturhauptstadt RUHR.2010? Eine fragende Betrachtung...

 
Ruhrgebiet , Fr. 17.12.2010, Autor: Ernst
 
Nun ist es also vorbei mit der Kulturhauptstadt RUHR.2010. Mit Tief „Daisy“ wurde sie eingeläutet und „Petra“ zieht den Schlussstrich. Wo sich die RUHR.2010 GmbH auf die morgige Feier eines erfolgreichen Jahres freut, ziehen andere Bilanzen, stellen Fragen nach der Zukunft und nach dem, was passiert ist, in einem Jahr Kulturhauptstadt. Offiziell sieht man strahlende Gesichter und hört salbungsvolle Worte. Doch was geschah wirklich? „Kreativquartiere“ stehen nach wie vor leer, der viel gepriesene Umbau des Zentrums für Kunst und Kreativität im Dortmunder U wird zum dritten Mal "vorläufig" eröffnet und morgen sind es wieder diejenigen, die den Schnee von der Bühne fegen, welche den Charme der Kulturhauptstadt ausmachen. Eine kritische Betrachtung.

Das Ruhrgebiet hat Image-Probleme hieß es, als sich die sogenannte Metropol-Region als Kulturhauptstadt 2010 bewarb. Mit einer erfolgreichen Bewerbung, so hoffte man, bekomme man einen wichtigen Impuls für den Wandel – den Wandel durch Kultur, wie es so schön hieß. Ziele waren es, die 53 Städte des Ruhrgebiets zusammen zu bringen, die Idee des „Ruhr-Stadt“-Charakters in die Köpfe der Menschen zu pflanzen und aus einer Region, die geprägt ist von schwerer Arbeit, eine Hochburg der Kultur zu erschaffen. Das sind schöne Ziele, doch scheint es, so hat man manchmal durchaus vergessen, die Rechnung ohne die hier lebenden Menschen zu machen. Die Menschen im Ruhrgebiet sind nicht mehr Malocher, nicht wenige von ihnen sind vor allem arbeitslos, unzufrieden und wollen weg. Die Städte werden immer kleiner, die Kassen selbiger immer leerer. Investiert wird vor allem in das Notwendigste. Um diese Entwicklung aufzuhalten, muss gewiss ein Wandel stattfinden. Aber nicht von einem, sondern von allen.

Potenziale nutzen und Kulturszene fördern?

Die Motive der Kulturhauptstadt RUHR.2010 sind leicht zu verstehen. Man möchte die vielen Potenziale der Region nutzen, um ihr ein neues Gesicht zu geben. Man möchte die Kulturszene fördern, um Entwicklungen zu initiieren, um eine neue Form der Attraktivität zu generieren. Und man möchte die Menschen dazu bewegen, sich auch mal von Oberhausen nach Dortmund und vielleicht sogar mal nach Hagen zu bewegen – und das nicht nur, um Verwandte zu besuchen. Aber was, wenn die Menschen das nicht wollen?

Auch vor der Kulturhauptstadt hatte das Ruhrgebiet all das, worauf es den Initiatoren ankam, doch die Potenziale blieben ungenutzt. Warum? Subkulturen dürfen im Ruhrgebiet noch so genannt werden, denn die Szenen sind so überschaubar, dass sich die Akteure beinahe alle untereinander kennen. Und das bei 5,4 Millionen Einwohnern, was wohlgemerkt 2 Millionen mehr sind als in Berlin. Ebenfalls hat das Ruhrgebiet bemerkenswerte Highlights zu bieten, von denen lediglich keiner weiß – oder auch nicht wissen will. Zum Beispiel wird jedes Jahr gleich zweimal einer der wichtigsten Preise im Designsektor in Essen verliehen, nur interessiert das die wenigsten. Es gibt eine bemerkenswert große Anzahl von sogenannten Programmkinos, die Wert auf Filmkunst legen, nur müssen die sich mit Hollywood-Blockbustern die Instandhaltung verdienen. Es gibt unzählige junge Menschen, denen es nach Verwirklichung dürstet, doch bekommen diese keine Möglichkeit dazu und wenn, fehlt immer noch das Publikum. War es das was RUHR.2010 ändern wollte? Wenn ja: Ist dies gelungen?

Was waren die Highlights der Kulturhauptstadt RUHR.2010?

Schauen wir uns das Jahr an, was waren seine Highlights? Waren es die innovativen Projekte, welche die kulturellen Trends der Welt auf Ruhrgebietsbühnen und -schauplätze geholt haben? Oder waren es die Klassiker, die mit neuem Gesicht und neuer Werbung noch einmal aufpoliert wurden? Oder waren es vielleicht doch diejenigen Programmpunkte, die den Menschen pure Unterhaltung gebracht haben? Ist eine Autobahnsperrung, um ein Volksfest darauf zu feiern, Kultur? Oder ist es ein Wandel, wenn man sich ständig das Alte bewusst macht, indem man Ballons in die Luft steigen lässt oder noch eine Zeche zum Museum ausbaut? Oder ist es eine Stärkung wenn man all jenen Akteuren eine Bühne gibt, die sich sowieso schon mit eigener Ackerei einen Namen gemacht hatten? Und nicht zu vergessen, scheint es auch Kultur zu sein, einen wildgewordenen Haufen Technojünger durch eine dazu völlig ungeeignete Stadt zu jagen und damit zu riskieren, dass es Tote und Verletzte gibt.

Natürlich hatte die RUHR.2010 auch für die Kultur einen Rahmen, die nicht auf bloßer Unterhaltung basiert, die nicht nur dazu da ist vom grauen Alltag abzulenken und vor allem Kulturschaffenden den Eindruck vermittelt, es könnte sich lohnen sich hier niederzulassen, denn darum ging es doch,oder? - Doch waren dort meist die Hallen überschaubar gefüllt, die Teilnehmer nur solche, die auch nach Düsseldorf oder gar Berlin fahren würden, um das Gesehene zu erleben und von einer Resonanz seitens der breiten Masse konnte schon gar nicht die Rede sein. Es gab Ausnahmen, zugegeben. Die völlig ausverkaufte Vorstellung von Wagners Symphonie der Tausend war so ein Fall – Aber mal ehrlich, war es da nicht auch nur der Wow-Effekt des Geschmetters von eintausend Musikern auf der Bühne?

Wann wird sich Erfolg einstellen?

Nun, es bleibt abzuwarten, ob sich die vielbeschworenen Nachhaltigkeit dieses so wichtigen Jahres für die „Metropole Ruhr“ einstellen wird. Raumplaner sprechen von Erfolg, wenn eine Planung innerhalb von 20 bis 25 Jahren ihren Sinn erfüllt. Das würde bedeuten es sind diejenigen, die heute noch zur Schule gehen, die dann die tatsächliche Kulturmetropole Ruhrgebiet gestalten würden. Wie sich die Kids aber eine Ruhrstadt vorstellen, konnte man in der Ausstellung des Schulprojektes Cybercity Ruhr sehen – wenn man denn hin gegangen ist. Dort zeigte sich ein bemerkenswertes Bild aus Playboyhasen, religiösen Zentren und Gebäuden, die jeglichen physikalischen Gesetzen zum Trotz gebaut wurden. Aber von kulturellem Flair, wie man es aus anderen europäischen Metropolen kennt, war leider nichts zu spüren.

Für die morgige Feier im Gelsenkirchener Nordsternpark ist mal wieder Schneefall angesagt. Wie das im Winter nunmal der Fall ist. Und mal wieder wurde die Veranstaltung unter freiem Himmel geplant. Dass die Zuschauer der Eröffnungszeremonie in Plastiktüten dasaßen und die Tänzer vor allem vorsichtig sein mussten, auf der verschneiten Bühne keine ungewollten Saltos zu machen, den Musikern die Hände abgefroren sind und die Kameraleute zu tun hatten die Linse freizuwischen, das hat dem Spaß am Ganzen keinen Abbruch getan. Bleibt es nur zu hoffen, dass Frau Holle morgen Erbarmen hat mit den Machern und Planern der RUHR.2010 und vor allem mit den Zuschauern die sich aller Vernunft zum Trotze in die Gefahr begeben, Weihnachten krank im Bett zu verbringen.

-de-

 

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