Startseite/ KOMMENTAR: Duisburger Loveparade-Tragödie - Der schwarze Peter geht herum...
Merkliste (0)Die Jagd nach den Schuldigen der Duisburger Katastrophe bei der Loveparade am 24. Juli nimmt immer abstrusere Formen an: Statt einer konstruktiven Aufarbeitung der Geschehnisse, die endlich Antworten auf die entscheidende Frage „Wie konnte das nur passieren?“ liefert, schieben sich die Verantwortlichen gegenseitig den schwarzen Peter zu – und weisen jede Schuld nach wie vor weit von sich.
Wer stellt wen an den Pranger? Die Antwort: Jeder jeden! Hauptsache man zieht den eigenen Kopf aus der Schlinge – das scheint das derzeitige Credo zu sein. Die Stadt Duisburg wirft dem Veranstalter drastische Versäumnisse vor und unterstellt auch der Polizei Fehler, die Polizei wiederum sieht den Veranstalter und ebenso die Stadt Duisburg in der Verantwortung. Die munteren Schuldzuweisungen nach dem Loveparade-Unglück vor zwei Wochen fanden auch gestern im Innenausschuss des Landtags eine Plattform.
Nach einer Stellungnahme der Stadt – immerhin 32 Seiten lang und in der Ausschusssitzung vorgestellt – hätte die Durchsicht von 35 Aktenordnern keine Anhaltspunkte ergeben, dass Duisburg „gesetzlichen Pflichten verletzt und auf diese Weise zum Unglück beigetragen oder es gar verursacht hätte“. Stattdessen hätten „Dritte gegen Vorgaben und Auflagen der Genehmigung der Stadt verstoßen“ hätten. Ein klarer Hieb in Richtung Veranstalter Lopavent und Rainer Schaller! Warum die Stadt Duisburg freilich die Einhaltung der Auflagen nicht kontrollierte, bleibt wohl ihr Geheimnis.
Loveparade: Schuldpendel zwischen Polizei, Stadt und Veranstalter
Auch warf die Stadt Duisburg der Polizei ein Fehlverhalten im Einsatz vor: Mehrere Polizeifahrzeuge auf der Zugangsrampe zum Loveparade-Partygelände hätten die Breite des Zugangs unnötigerweise verengt. Sicherlich nicht korrekt – doch wohl alles andere als unglücksauslösend. Prompt nahm NRW-Innenminister Ralf Jäger – als oberster Dienstherr der Polizei – seine Leute in Schutz: Es könne nicht angehen, „erst die Polizei um Hilfe zu rufen, weil die Veranstaltung aus dem Ruder läuft und ihr dann auch noch den Schwarzen Peter zuzuschieben“. Auch nahm er den Veranstalter der Loveparade auf's Korn, der offenbar von Beginn an sein eigenes Sicherheitskonzept nicht eingehalten habe.
Der Innenausschuss soll am 2.September das nächste Mal tagen. Dann sollen auch der Loveparade-Veranstalter und die Stadt Duisburg selbst Stellung beziehen.
"Wie" viel wichtiger als "Wer"
Die Suche nach den Schuldigen der Loveparade-Tragödie setzt sich also unverdrossen fort. Dabei geht es längst gar nicht darum, nun einen Sündenbock zu finden und der Öffentlichkeit zu präsentieren, damit diese endlich eine Art „Ruhe“ gebe. Die Schuldfrage wird nach gesundem Menschenverstand gar nicht auf eine einzige Person zu fokussieren sein, jeder der Verantwortlichen trägt sein Bündel an Versäumnissen. Umso erschreckender wirken nun die gegenseitigen Schuldzuweisungen. Vielmehr als um das „Wer“, sollte es doch um das „Wie“ gehen: Wie hat sich die Katastrophe am 24. Juli zugetragen, wie konnte es zur Massenpanik kommen? Auch hier wird es keine klare Antwort geben - doch diese erwartet auch niemand. Nur so aber kann Sicherheit bei künftigen Großveranstaltungen garantiert werden, nur so kann mit aller Macht verhindert werden, dass sich eine Tragödie wie die Loveparade 2010 wiederholt.
-tv-
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