Das Landesarchiv NRW, das „Gedächtnis“ von Nordrhein-Westfalen, ist eine der wichtigsten historischen Institutionen der Region. Hier werden Unterlagen zur Geschichte des Landes nicht nur verwahrt, ergänzt und instand gehalten, sondern vor allem auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was einen großen Wert für jedwede wissenschaftliche, politische und raumplanerische Belange hat.
Neubau im Duisburger Innenhafen
Seit 2004 wurden die westfälischen Staats- und Personenstandarchive, welche über das gesamte Bundesland verteilt zu finden waren, als Landesarchiv zusammengefasst und neu organisiert. Nun soll ein weiterer Schritt zur Transparenzschaffung gemacht werden: alle Abteilungen des Landesarchives sollen unter ein Dach. Das Objekt der Wahl wird derzeit im Duisburger Innenhafen neu gebaut.
Er soll das größte Archivgebäude Deutschlands und ein großer Zuwachs zur Duisburger Stadtästhetik sein, wenn der Neubau im Jahr 2013 endlich fertig gestellt ist. Dieser setzt sich aus einem Turm und einem 160 Meter langen, sechsgeschossigen Gebäude zusammen, in welches das bereits bestehende, unter Denkmalschutz stehende Speicherhaus aus den 1930er Jahren integriert wird. In jedem Fall eine architektonische wie ideelle Wertsteigerung der Stadt, die derzeit mit starken Imageproblemen zu kämpfen hat.
Enorme Kostenexplosion
Nun steht jedoch die Frage im Raum, ob es tatsächlich zu einer Anmietung des imposanten Gebäudes durch das Landesarchiv kommen wird. Ursprünglich waren Ankauf- und Baukosten von 40 Millionen Euro geplant. Diese sind jedoch bereits nach einem knappen Jahr nach dem ersten Spatenstich bereits auf 160 Millionen Euro gestiegen. Von einer wahren Kostenexplosion kann hier die Rede sein. Die daraus resultierenden Mietkosten für das Landesarchiv stiegen damit von vier auf sechs Millionen Euro im Jahr.
Zwar habe die Vorgängerregierung in ihrer Absichtserklärung eine Jahresmiete von sechs Millionen Euro zugesichert, so Kulturministerin Ute Schäfer (SPD), jedoch seien die Verträge noch nicht unterzeichnet. Eine juristische Prüfung, inwiefern eine rechtliche Bindung für das Ministerium besteht, ist derzeit in vollem Gange.
„Wir kaufen und bauen nicht auf Vorrat“
Ute Schäfer setzte sich bereits bei Planungen im Jahr 2005 dafür ein, dass dem „Prunkbau“ in Duisburg ein funktionaler Bau in Düsseldorf vorgezogen wird. Für den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW sind diese Überlegungen überflüssig. Deren Sprecher Dietmar Zeleny äußerte sich gegenüber den Medien standhaft: „Für uns steht zweifelsfrei fest, dass es einen wirksamen Mietvertrag mit dem Kulturministerium gibt. Wir kaufen und bauen nicht auf Vorrat.“
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