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Duisburg, 30. Juli 2010
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Eine Woche nach dem tragischen Ausgang der Loveparade in Duisburg halten immer neue unfassbare Details die Menschen im Ruhrgebiet, in Deutschland und der Welt in Atem: Die fragwürdig erscheinenden Loveparade-Teilnehmerzahlen – auch der letzten Jahre aus Essen und Dortmund – waren offensichtlich aus Veranstalterkreisen systematisch erlogen. Duisburgs OB Adolf Sauerland halten offenkundig selbst Parteifreunde aus Berlin nicht mehr für tragbar. Und die offizielle Loveparade-Trauerfeier am Samstag avanciert wohl selbst zum Massenspektakel mit Zehntausenden Trauernden.
1,2 Millionen in Essen, 1,6 Millionen in Dortmund, 1,4 Millionen Partygänger sollten es nun bei der Loveparade in Duisburg sein. Warum dennoch ein Party-Gelände – rund um die alte Güterhalle in Duisburg – ausgewählt wurde, das nicht einmal ansatzweise soviele Menschen fassen kann, verwunderte im Vorhinein bereits nicht nur Experten. Nach den schrecklichen Ereignissen der diesjährigen Duisburger Loveparade – mit nun schon 21 Toten und über 500 Verletzten – entfachte sich ein regelrechter Sturm um die Frage der Teilnehmerzahl. Mit verwunderlichem Ausgang.
Lopavent im Zwielicht: Was wäre wohl passiert, wenn tatsächlich 1 Million zur Loveparade gekommen wären?
Der Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände wurde zum tödlichen Nadelöhr – aber keinesfalls aufgrund des Andrangs von Millionen Menschen. Diese wurden zu keinem Zeitpunkt erwartet, wie die Zeitungen der WAZ-Gruppe nun berichteten. Im Gegenteil: Auf dem angeblichen 'Millionenspektakel Loveparade' haben offenbar niemals – ebenso in den letzten Jahren nicht - auch nur ansatzweise Millionen gefeiert. Die veröffentlichten Zahlen seien seitens des Veranstalter Lopavent stets öffentlichkeitswirksam verdreifacht (!) worden. Erneut also ein dunkler Schatten, der auf die Seriösität von Rainer Schaller und seiner Veranstaltergruppe fällt.
Man möchte sich nicht ausmalen, was im Duisburger Loveparade-Tunnel und rund um die Loveparade passiert wäre, wenn tatasächlich die behaupteten 1, 4 Millionen Partylustigen gekommen wären.
OB Sauerland auf dem Schleudersitz
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat indes kaum mehr Rückhalt – sein OB-Stuhl ist längst zum Schleudersitz geworden. Eigentlich warten alle nur darauf, dass er doch noch zurücktritt – und nur die Wenigsten bezweifeln, dass am Ende auch alles darauf hinauslaufen wird.
Dass Sauerland nicht mehr tragbar ist, sehen offenbar sogar führende CDU-Parteifreunde aus Berlin so. Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach, schob bei „Maybritt Illner“, die das Loveparade-Drama zum Thema hatte, Adolf Sauerland die alleinige politische Verantwortung zu. Er hofft immer noch, dass der Duisburger OB „selber zu der richtigen Entscheidung“ komme. Innerhalb der Duisburger Ratsfraktionen – so von Linken und FDP – formiert sich jedenfalls längst massiver Widerstand gegen Sauerland. Gar ein Antrag zur Abwahl ist nicht mehr ausgeschlossen.
Trauerfeier am Samstag: Zehntausende erwartet
Unterdessen laufen in Duisburg die Vorbereitungen für die offizielle Trauerfeier nach der Loveparade, bei der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff erwartet werden. Die Trauerfeier könnte selbst zum Massenereignis avancieren, denn zehntausende Trauernde und Schockierte haben ihr Kommen zugesagt und wollen der Loveparade-Opfer gedenken. Da der Platz in der Salvatorkirche in Duisburg angesichts des Andrangs keinesfalls ausreicht, übertragen die Verantwortlichen den Gottesdienst auf Leinwänden in der ganzen Stadt, sogar in der MSV-Arena, die dafür eigens geöffnet wird. Die ARD überträgt live im Fernsehen.
-tv-
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