Knappe Mehrheit – große Wirkung: In Aachen hat der Stadtrat den Antrag des Einzelhandelsverbands auf verkaufsoffene Sonntage abgelehnt. Damit gäbe es in der NRW-Großstadt im Jahr 2010 de facto kein Sonntags-Shopping. Auch im Revier droht die Debatte um die verkaufsoffenen Sonntage wieder zu entbrennen.
Ganze 17 vom Märkte- und Aktionskreis City (MAC) beantragte verkaufsoffene Sonntage waren offenbar für den Aachener Stadtrat zuviel des Guten. Dass das Gremium mit seiner Entscheidung gegen die eingereichte Terminliste aber gleich die Aachener verkaufsoffenen Sonntage für 2010 komplett ins Jenseits beförderte, war dann doch eine Überraschung. Viele der Ratsmitglieder schienen sogar selbst verschreckt über das Ergebnis. Erstmals überhaupt gab es damit eine kommunale Ratsmehrheit grundsätzlich gegen verkaufsoffene Sonntage.
Zwar ging es nicht im Prinzip gegen den Einkauf am Sonntag, sondern vornehmlich um die Anzahl und Termine – dennoch löst Aachen mit seinem „Wort zum Sonntag“ eine kleine Lawine aus. Wieder mal steht der verkaufsoffene Sonntag im Fokus und die Debatten dürften in ganz NRW erneut losbrechen.
Urteil des BverfG im Dezember sorgte schon für Aufruhr
Bereits nach dem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts im Dezember letzten Jahres brandeten die Wellen auf. Die Richter in Karlsruhe lehnten die Ladenöffnung an allen Adventssonntagen, wie es die Hauptstadt Berlin geplant hatte, ab. Die nähere Regelung der Zahl, Termine und Anlässe der verkaufsoffenenen Sonntage blieb aber weiterhin den Kommunen überlassen.
„Allianz für den freien Sonntag“ in NRW gegründet
Eine Entscheidung, die einigen nicht weit genug geht: Die schleichende Aushöhlung des Sonntags als Feiertag wollen vor allem katholische Verbände und Gewerkschaften nicht hinnehmen. Am 3. März, gründeten diese in NRW, wie schon zuvor in anderen Bundesländern, die sogenannte „Allianz für den freien Sonntag“ und demonstrierten sogleich vor dem Landtag. Anlass war der „Internationale Tag des freien Sonntags“ – ja, diesen gibt es wirklich –, der an den historisch ersten staatlichen Sonntagsschutz unter Kaiser Konstantin erinnert. Die Kundgebung war nur der Startschuss für eine Vielzahl von geplanten Aktionen in einzelnen Städten und Kirchengemeinden des Bundeslandes, die auch NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann unterstützt. Zudem werden Unterschriften für einen freien Sonntag gesammelt, um diese an Landesvater Jürgen Rüttgers zu schicken.
Unvereinbare Positionen in der „Sonntags-Frage“
Die Frage des Pro und Contra von geöffneten Geschäften am Sonntag spaltet also nach wie vor die Gesellschaft: Für die Einen ist die Shopping-Tour am siebten Tag der Woche stressfrei und entspannt, ein willkommenes Erlebnis am Wochenende oder sogar – für Vielbeschäftigte –, die einzige Möglichkeit ihren Einkauf zu erledigen. Für die Städte und den Einzelhandel stellt der verkaufsoffene Sonntag willkommenes Marketinginstrument dar, das tausende von Menschen in die eigene City lockt.
Doch Gewerkschaften und Kirchen ist er ein Dorn im Auge: Der Sonntag bleibt für sie heilig, ein Ruhetag und die letzte Bastion des Innehaltens in einer Zeit, die nur noch von Schnelllebigkeit und Konsum geprägt scheint. Gewerkschaften pochen zudem auf die kaum hinnehmbare zusätzliche Arbeitsbelastung der Arbeitnehmer, für die ein Wochenende kaum mehr existiere.
In Aachen jedenfalls scheint das letzte „Wort zum Sonntag“ noch nicht gesprochen: Der Oberbürgermeister trommelte alle Fraktionsvorsitzenden zusammen und ein neuerlicher Antrag ist wahrscheinlich.
-tv-
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