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Helmut-Käutner-Preis für Christoph Schlingensief

Oberhausener Multitalent in Düsseldorf gewürdigt.

 
Freizeit und Kultur , Oberhausen , Di. 02.03.2010, Autor: schlanstedt
 

Der Oberhausener Filmemacher Christoph Schlingensief wird von der Landeshauptstadt Düsseldorf mit dem Helmut-Käutner-Preis ausgezeichnet. Der vielseitige Künstler erhält den Preis für seine Verdienste um die deutsche Filmkultur. Schlingensiefs Engagement geht seit je her über das reine Filmemachen hinaus.

© Aino Laberenz
© Aino Laberenz
 

An Christoph Schlingensief scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein mutiges Multitalent, für die anderen nur ein Provokateur. Unbestritten ist der gebürtige Oberhausener einer, wenn nicht sogar der vielseitigste Künstler Deutschlands, der auf allen Gebieten große Erfolge feierte und auch noch feiert. Als Filmemacher, Produzent, Theater- und Opernregisseur und Aktionskünstler kennt man den nimmermüden Schlingensief hierzulande. In Afrika organisiert er gerade den Bau des ersten Opernhauses auf dem schwarzen Kontinent.

Für seine Verdienste rund um den deutschen Film wird Christoph Schlingensief heute mit dem Helmut-Käutner-Preis geehrt. „Mit Christoph Schlingensief würdigt der Rat der Stadt Düsseldorf eine Persönlichkeit, die sich in mehr als zwei Jahrzehnten für die deutsche Filmkultur eingesetzt hat. Christoph Schlingensief hat von Beginn an alle Möglichkeiten des kreativen Filmemachens genutzt. Er hat in allen seinen Produktionen mehrere Funktionen ausgefüllt, vom Kameramann über den Drehbuchautor bis zum Regisseur und Produzenten. Er hat seine Karriere am experimentellen Rande des Kinos begonnen und ist bis ins medienwirksame Zentrum vorgestoßen, ohne sich jemals in den Mainstream zu begeben“, begründet die Jury ihre Wahl.

Das Multitalent konfrontiert das Publikum in seinen Filmen (u.a. Das deutsche Kettensägenmassaker; Freakstars 3000) und TV-Formaten immer wieder mit Tabuthemen und hält der Gesellschaft so einen Spiegel vor. Christoph Schlingensief nimmt in seinen Werken weder ein Blatt vor den Mund noch eine Linse vor die Kamera. Er zeigt die Abgründe dieser Welt in klaren, drastischen Bildern, oder wie er einst selbst sagte: „Ich sehe mich in der Tradition des neuen deutschen Films. Der ist mal angetreten mit dem Vorsatz, Filme zu Deutschland zu machen, innovativ zu sein, aber dann wurde er sehr wehleidig. Der Autor ruft mea culpa, und die Kritiker nicken. Trotzdem sehe ich mich in dieser Tradition, aber ich glaube, dass meine einzige Berechtigung im Moment in der Drastik liegt: 75 Minuten mit der Faust auf die Leinwand.“

Festspielhaus Afrika

Auch als Theater- und Opernregisseur macht sich Schlingensief einen Namen. Er arbeitete bereits an den großen Häusern in Bayreuth, Hamburg, Manaus, Zürich und Wien. Zurzeit verfolgt er ein besonders ehrgeiziges Projekt. In Ouagadougou, Burkina Faso entsteht unter seiner Regie ein Operndorf mit Schule und Krankenhaus, in dessen Zentrum mal das erste Festspielhaus Afrikas stehen wird.

Der an Persönlichkeiten mit herausragender Bedeutung für den deutschen Film vergebene Helmut-Käutner-Preis wird 2010 bereits zum zwölften Mal verliehen und erinnert an den in Düsseldorf geborenen Regisseur Helmut Käutner (Die Große Freiheit Nr. 7). Bisherige Preisträger waren unter anderem Hildegard Knef und Wim Wenders.


-pm/ sos-
 

 

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