Der Freitag steht im Zeichen des Bruderkampfes. Die ewigen Rivalen FC Schalke 04 und Borussia Dortmund schleifen die Stollen und spielen um die Vorherrschaft im Ruhrgebiet. Den Derbytag läuten zwei andere Revierclubs ein. In Liga Zwei stehen sich der MSV Duisburg und Rot-Weiß Oberhausen gegenüber.
Das Revierderby überschattet alle anderen Begegnungen des Spieltages. Und das, obwohl mit dem Rheinderby zwischen Köln und Leverkusen und dem Niedersachsenderby zwischen Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg noch zwei andere heiße Duelle anstehen. Revierderby, Rheinderby, Niedersachsenderby? Sind das überhaupt echte Derbys? Oder nur ein medialer Versuch, Spannung in eigentlich normale Fußballspiele zu bringen?
Das Derby erfunden haben natürlich die Engländer. In der Stadt Ashborne in der Grafschaft Derbyshire (daher der Name) trafen sich einmal im Jahr die Bewohner der Unter- und der Oberstadt zum Shrovetide Match. Das martialische Gerangel um einen Ball, welcher durch einen der Mühlsteine jeweils am Ende der Stadt befördert werden musste, gilt als erstes Derby der Geschichte. Der Sieger durfte sich ein Jahr lang als Herr im Haus, oder besser im Ort, fühlen.
Und da drückt auch der Stein im Fußballschuh. Ein Derby ist eigentlich ein Kräftemessen zweier Mannschaften aus ein und demselben Ort. Nun liegt weder Dortmund in Gelsenkirchen, noch anders herum. Zum Glück, denken sich jetzt beide Fanlager. Doch angesichts der immer obskureren Auslegungen des Begriffs, ist das Duell Knappen gegen Borussen das heißeste Derby Deutschlands. Zu Zeiten, in denen bei der Partie Bayern München gegen den Hamburger SV vom Nordderby geredet wird, ist die Ausweitung auf eine Region wie das Ruhrgebiet erlaubt.
Heiße Derbys in Europa
Die Bedeutung des Spiels Schalke – Dortmund hat auch europaweit Bedeutung. Doch in Europa gibt es sie noch, die echten Derbys. Über allem thront das Old Firm: Glasgow Rangers gegen Glasgow Celtic, Protestanten gegen Katholiken, bessere, schottische Gesellschaft gegen arme, irische Einwanderer. Kein Fußballspiel Europas hat ein solches Konfliktpotential. Zu sportlich besseren Zeiten kam nur noch die Begegnung Partizan Belgrad gegen Roter Stern Belgrad an das Old Firm heran. Doch genau wie die Vereine ist auch das Belgrader Derby in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
Ganz heiße Duelle sind noch das Wiener Stadtderby Austria gegen Rapid, die Istanbuler Spiele zwischen den drei Vereinen Galatasaray, Fenerbahce und Besiktas, sowie das Athener Derby Panathinaikos – Olimpakos Piräus. Die meisten europäischen Stadtderbys haben im Gegensatz zu anderen Partien ihren Reiz verloren. Real Madrid fiebert dem Match gegen Rivale FC Barcelona mehr entgegen als dem Vergleich mit Athletico Madrid. Auch AS und Lazio Rom freuen sich eher auf die Mailänder Clubs, als auf einander. Inter und AC Mailand hegen noch eine gepflegte Abneigung, diese ist aber nicht größer als die gegen Juventus Turin. Für Manchester United, Arsenal London, Chelsea London und FC Liverpool sind die Matches untereinander von höherer Bedutung als Siege gegen die Stadtrivalen. Die Lager der Nachbarn aus Liverpool, FC Liverpool und FC Everton, sind sogar befreundet. Wo gibt´s denn so was? Und das ausgerechnet im engsten Derbys Europas. Die Stadien der Reds und der Toffies liegen nur ein paar hundert Meter auseinander.
Viele Derbys, gerade in Deutschland verlieren an Bedeutung, da die Vereine entgegen gesetzte Richtungen einschlagen. Einst ein Kampf bis zum Letzten, heute eine seltene Veranstaltung, ist das Nachbarschaftsduell Kickers Offenbach gegen Eintracht Frankfurt. Zu selten wandeln die Kickers auf Profigeläuf. Gleiches gilt für Stuttgart mit VfB gegen Kickers oder München mit den Bayern gegen 1860. Am häufigsten treffen da noch Hamburg und St. Pauli aufeinander.
Neue Gegner braucht der Club
Aber wie in den anderen kontinentalen Derbys haben sich auch hierzulande viele Vereine neue Feindbilder gesucht. Für den 1. FC Köln bildet das Spiel gegen den heimlichen Vorortclub Bayer Leverkusen nur ein Duell von vielen. Das wahre Spiel des Jahres ist die Begegnung mit Dauerrivale Borussia Mönchengladbach. Der Hamburger SV gewinnt am liebsten gegen Werder Bremen und die Abneigung der St. Paulianer richtet sich gen Hansa Rostock.
Die sportliche Entwicklung im deutschen Fußball bringt eventuell bald einige Städte wieder in den Genuss eines echten Derbys. In der ersten Liga könnten die Hamburger nächste Saison wieder den FC St. Pauli begrüßen und in der zweiten Liga könnte das Revierderby in Sachen Bedeutung starke Konkurrenz bekommen. Schafft die Berliner Hertha nicht mehr das Wunder Klassenerhalt, freuen sich in Berlin die Anhänger Unions schon auf zwei Spiele des Jahres. Das am häufigsten ausgetragene deutsche Derby ist übrigens das Duell 1. FC Nürnberg gegen Spvgg Greuther Fürth. Und die sehen sich sogar ab und zu noch.
-sos-
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