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10 Jahre Bolognareform: Jubiläumsfeier und Bilanz in Wien

Rückschau auf die Bolognareform, ihre Folgen und Probleme

 
Bildung und Wissenschaft , Ruhrgebiet , Fr. 12.03.2010, Autor: voßnacke
 

Abgesehen von der Einführung der Studiengebühren hat nichts im Revier die Studienbedingungen so stark verändert, nichts die Studenten so sehr auf die Barrikaden gebracht: Die Rede ist von der sogenannten Bologna-Reform, die mit heeren Zielen startete, in vielerlei Hinsicht jedoch mit dem Stempel 'mangelhaft' behaftet blieb. Zur Zeit findet in Budapest und Wien die Jubiläumskonferenz aller Bildungsminister zum zehnjährigen Bestehen des Bologna-Systems statt.

© Thomas Kölsch / www.pixelio.de
© Thomas Kölsch / www.pixelio.de
 

Die Aufnahme Kasachstans als 47. Mitgliedsland im Bologna-Prozess, vor allem aber der 10. Geburtstag der Bologna-Idee selbst ist den europäischen Bildungsministern seit gestern Grund genug zum Feiern – aber auch, um Bilanz zu ziehen.

Ein Rückblick auf die Entstehung der Bologna-Reform

Man schrieb das Jahr 1999, als sich die Bildungsminister 29 europäischer Staaten im schönen italienischen Bologna trafen. Ergebnis dieses harmlosen Treffens sollte eine Reform werden, die die Hochschullandschaft Europas in ihren Grundfesten erschüttern und vollends umwälzen sollte. Das heere Ziel: Die Schaffung eines einheitlichen Hochschulraumes und vergleichbare Studienabschlüsse bis 2010, die internationale Mobilität von Studenten und Wissenschaften ermöglichen sollte.

Die Idee einer Studienvereinheitlichung konnte nur über die grundlegende Änderung der Strukturen erfolgen: Die vielbeachteten Bachelor- und Master-Studiengänge – in Anlehnung an das angloamerikanische System – waren geboren. Und damit: ein Studium in Modulen, eine Bewertung von Studienleistungen nach einem Credit-Point-System, Anwesenheitspflichten und vieles mehr. Der Bachelor sollte mit seiner kompakten Studienzeit von nur 6 Semestern als erster berufsqualifizierender Abschluss gelten.

Der Bologna-Prozess und die Umsetzung

Flugs verfielen also im neuen Jahrtausend auch die hiesigen Universitäten an Rhein und Ruhr in eine hektische Umstellung ihres Studienangebots. Die bewährten Diplom- und Magisterabschlüsse fielen der Modernisierung zum Opfer. Vieles wurde dabei mit der allzu „heißen Nadel“ gestrickt, wie sich in den Folgejahren herausstellen sollte.

Nichtsdestotrotz: Im aktuell laufenden Wintersemester 2009/2010 sind nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz fast 80 Prozent der bundesweit über 13.000 Studiengänge auf die Bachelor-/Master-Struktur umgestellt. Jura und Medizin sind dabei bisher ausgenommen.

Bologna als Erfolgsgeschichte? Mitnichten!

Eine reine Erfolgsgeschichte also? Mitnichten! Die großen Bildungsstreiks der vergangenen Monate sprachen eine andere Sprache – denn diese richteten sich nicht nur gegen die Studiengebühren und schlechte Studienbedingungen, sondern vor allem auch gegen die Folgen der Bologna-Reform oder zumindest gegen deren ungenügende Umsetzung.

Die Bachelor-/Master-Studiengänge gelten als verschult, als überfrachtet mit Lernstoff und Prüfungen. Sie sind Vollzeitstudiengänge, die trotz Studiengebühren keine Zeit lassen, sich das Geld für diese zu verdienen. Die studentische Kritik richtete sich auch gegen die überbordende Anwesenheitspflicht, überfüllte Hörsäle und Zulassungsbeschränkungen zum auf den Bachelor aufbauenden Master. Zu allem Überfluss scheint – zumindest der Bachelor – in der freien Wirtschaft immer noch nicht vollends als akzeptiert, Jobchancen damit gering.

Reform der Reform in Sicht?

Inzwischen gibt es zwar keine grundlegende „Reform der Reform“, doch immerhin haben zumindest einige Hochschulleitungen – auch im Revier! - reagiert und damit eine gewisse Neubelebung des Bologna-Prozesses in Gang gesetzt. Zum Beispiel wurden Studiengänge entzerrt und an nordrhein-westfälischen Universitäten zumeist die Anwesenheitspflicht aufgelockert.

Der große bildungspolitische Coup, den heute die Bildungsminister in Wien feiern, ist die Bologna-Reform mit all Problemen also mit Sicherheit nicht. Die Zielmarke 2010 muss gleichzeitig Startpunkt sein für weitere Verbesserungen. Ansonsten lassen die nächsten umfassenden Bildungsstreiks nicht lange auf sich warten.

-tv-
 

 

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