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Duisburger LehmbruckMuseum wurde zur Bühne für Thilo Sarrazin

Sarrazin sorgt für Furore im Duisburger Lehmbruck Museum

 
Duisburg , Di. 30.11.2010, Autor: voßnacke
 

Am gestrigen Montagabend hatte das Duisburger LehmbruckMuseum und die darin stattfindende Ausstellung „Here and There“ des deutschen Fotografen Horst Wackenberg Besuch von Skandalbuch-Autor Thilo Sarrazin. Was als künstlerische Auseinandersetzung und Gegenüberstellung von Meinungen zur Frage der Integration gemeint war, entpuppte sich zum Sarrazin-Fan-Abend – und für etwa hundert Demonstranten als eisige Zitterpartie.

 

Ob es nun stimmt, dass Thilo Sarrazin „endlich sagt, was alle denken“ oder sich mit seinen Thesen in die Nähe rassistischer Hetze manövriert – die Menschen haben ein reges Interesse an dem Ex-Bundesbanker. Noch vor kurzer Zeit erst wurde der Autor des Buches „Deutschland schafft sich ab“ in einer Dortmunder Filiale des Buchhandels Thalia nicht nur von seinen Anhängern und Interessierten, sondern auch von einer Gegendemonstration empfangen.

Einladung vom Direktor

Der Direktor des Duisburger LehmbruckMuseums, Dr. Raimund Stecker selbst war es, der es ermöglichte, dass Thilo Sarrazin am Montagabend mit seinen Theorien über die Verdummung Deutschlands auf der berühmten roten Couch des Fotokünstlers Horst Wackenberg Platz nahm. Diese Aktion sollte, so Stecker, mehr Politik in die Kunst des LehmbruckMuseums bringen. Neben Politik brachte der Besuch des Herrn Sarrazin aber vor allem Menschen zusammen, die sich freuten, dass ihrem Idol in diesem Rahmen eine Bühne gewährt wurde.

Wenige, die sich trauten, Sarrazins zwar frei aber holperig vorgetragene Fantasien von der Abschaffung ganzer Kontinente oder undifferenzierte Schuldzuweisungen zu kontern, wurden schlichtweg beleidigt. Der Duisburger Kulturdezernent Karl Janssen, der dem Vortragenden vorwarf, ein unerträglicher Populist zu sein und sich mehr als nur darüber wunderte, dass eine ganze Republik in Diskussion über ein Buch verfällt, bei dessen Live-Darbietung er selbst fast eingeschlafen wäre.

Als Antwort bekam Herr Janssen, dass er sicher ein guter Mensch wäre, aber offensichtlich auch sehr naiv. Er solle sich lieber um seine Migranten in Marxloh kümmern, entgegnete ihm Sarrazin.

"Ihr Kulturdezernent ist strohdoof"

Auch Horst Wackenberg selbst konnte über die Ausführungen des Autors nur den Kopf schütteln und zusehen, wie zwischen dem Kulturdezernenten und Sarrazin ein lautstarker Streit entbrannte. Als Krönung sagte Sarrazin im Zuge einer stellvertretenden Entschuldigung eines Bürgers für seinen Beigeordneten, dass dieser „strohdoof“ sei – soviel Differenziertheit hätte man Thilo Sarrazin kaum zugetraut.

Sarrazins Gegner schlagen zurück

Während im warmen LehmbruckMuseum sich der größte Teil der Anwesenden recht wohl fühlte und sich dank der „Löwenbräukeller-Stimmung 1933“ sogar der ein oder andere Lokalprominente zu mehr als zweifelhaften Aussagen hinreißen ließ, positionierte sich die andere Seite im zentimeterhohen Schnee vor der Tür. Die Demonstration der rund 100 Gegner Sarrazins verlief friedlich, was verwunderlich war, wurde das LehmbruckMuseum doch schon im Vorfeld mit Vandalismus konfrontiert.

Aber auch die Gegner Sarrazins wirken leider nicht sonderlich differenziert. ARD-Schauspieler Erden Alkan äußerte sich bereits beim Aufruf zur Gegendemonstration auf dem sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten: „Wir sollen ihm eigentlich dankbar sein. Er hat einen offenen Kampf angesagt. Wir Türken lieben sowas… Hodri Meydan… Jetzt brauchen wir nicht mehr nett, höflich und vorsichtig sein. Jetzt können wir auch sagen was wir denken!!! Wir sind nicht Juden… Hinter uns 75 Millionen und ein 72-Tausend qm Land… Mit uns kann man nicht so umgehen, wie es gerade einem passt. Danke du doofer Sarrazin…“

-de-

 

 

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