„Sie legten ihre Kleider ab und waren nur um die Lenden mit einem Leinentuch bedeckt. Sie geißelten sich zwischen den Schultern bis das Blut floss.“ So beschreibt eine Notiz im Kalendarium des Xantener Viktor-Stifts ein Phänomen, das sich seit Spätsommer 1349 auch am Niederrhein ausbreitete: die Geißlerbewegung. In einem Vortrag am Donnerstag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr im Rittersaal des Grafschafter Museums im Moerser Schloss berichtet Dr. Jens Lieven von der Universität Bochum über die Hintergründe von Pest und Geißlerbewegung am Niederrhein. Der Eintritt ist frei.
Massenphänomen mit Ausbruch der Pest
Die ersten Geißler traten schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts auf. Zu einem Massenphänomen wurde die Bewegung mit dem Ausbruch der Pest 1348. Die Geißler „gingen durch viele Orte und sangen ein Leid, das in der Volkssprache verfasst war. Ferner ließen sie ein Kreuz vor sicher hertragen und taten vor den Augen der Menschen verschiedene Bußwerke“, berichtete das Xantener Kalendarium weiter.
„Museum trifft Uni“
Der Vortrag findet im Rahmen der Reihe „Museum trifft Uni“ statt. In seinem Jubiläumsjahr lädt das Grafschafter Museum Promovierende der Universität Duisburg-Essen ein, ihre Doktorarbeiten öffentlich vorzustellen. Damit soll Nachwuchswissenschaftlern eine Plattform geboten werden, ihre wissenschaftlichen Arbeiten einem Publikum außerhalb der Universität zu präsentieren. Den Zuhörerinnen und Zuhörern geben die Vorträge nicht nur einen Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse zur niederrheinischen Kulturgeschichte, sondern sie vermitteln ebenso einen Eindruck wissenschaftlichen Arbeitens. Die Vortragsreihe richtet sich auch an Geschichtskurse der Schulen, die hier die Möglichkeit haben, einen ersten Eindruck von universitärem Arbeiten und Forschen zu erhalten.
Pressemeldung Stadt Moers
Die Trackback URL zu diesem Artikel ist:
http://www.ruhrportal.de/sie-geisselten-sich-bis-blut-floss.html