Startseite/ Kostenlose Bildung, mehr BAFöG, Bildungssteuer - Sigmar Gabriels Rede an der Uni Essen
Merkliste (0)Besonderen Besuch gab es diese Woche in der Universität Duisburg-Essen. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach am Donnerstag vor der versammelten Studentenschaft im Hörsaalzentrum am Campus Essen über seine Ansichten zur Bildungsförderung in Deutschland. Unter anderem forderte er eine Extra-Bildungssteuer.
Selbst einmal als Pädagoge in der politischen Erwachsenenbildung tätig, fühlte sich der ehemalige Umweltminister und heutige Parteivorsitzende der SPD sichtlich wohl, als er im vollen Vorlesungssaal an der Uni-Essen am Donnerstag referierte. Beginnend mit ein paar netten Worten, kam er schnell zur Sache. Sein Thema: Die Herausforderungen, mit der die deutsche Politik konfrontiert ist, seit der Umstellung nach Bologna-Prozess-Vorgaben.
NRW-Studenten am stärksten von den Auswirkungen des Bologna-Prozesses betroffen
Ein Thema, welches die NRW-Studenten mit Sicherheit brennend interessiert, denn in kaum einem anderen Bundesland sind die Bedingungen so schlecht wie hier. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der durchschnittliche NRW-Student mehr arbeitet, als die meisten Arbeitnehmer in Deutschland. Und das obwohl die Konzentration doch auf dem Lernen liegen sollte und nicht darauf, woher das Geld für die nächste Miete, geschweige denn für die Studiengebühren kommen.
Sigmar Gabriel konfrontierte die Anwesenden Studenten direkt mit der Realität: „50 Prozent von Ihnen werden nach dem Abschluss vermutlich keine feste Stelle bekommen.“ Womit er, sieht man sich die aktuellen Statistiken an, leider Recht hat. Die allgemeine Sorge um den deutschen Fachkräftemangel ist seiner Meinung nach völlig falsch. „Ich kriege einen dicken Hals, wenn ich das Wort Fachkräftemangel höre“, sagte er weiter und betonte, dass dieser nicht so groß sein könne, wenn sich der Staat erlaube, seine Talente zu verschleudern.
Nicht Eliteförderung, sondern einen leichteren Weg zum Hochschulstudium
Für ihn ist klar, dass es deutschen Schülern erleichtert werden muss, einen Hochschulabschluss zu erreichen, dass es nicht um Eliteförderung geht, sondern vielmehr um ausreichendes BAFöG und eine Erleichterung für all diejenigen, die vor einem Studium scheuen, aus Angst vor den immensen Kosten.
Auf die Frage eines Studenten, woher er all die Finazierungsgelder nehmen wolle, gab er zur Antwort, dass er nichts gegen eine Bildungssteuer für Wohlhabende hätte. Auch bezeichnete er die 700 Millionen für das Hartz-Bildungspaket als „verdaddelte“ Steuergelder.
Gabriel betonte noch einmal, wie wichtig es sei, dass Zugang zur Bildung kostenfrei sein müsse. „Weil uns daran gelegen sein sollte, dass möglichst viele diesen Weg einschlagen“. Weiterhin merkte er jedoch an, dass dies nicht als Freifahrtschein für ein kostenloses Dauerstudium sein könne – „Es gibt kein Recht auf Faulheit“, so der Politiker. Ob sich Herr Gabriel bewusst war, dass er hier nicht mit Floskeln auf den Durchschnittsbürger wirken muss, sondern im Hörsaal einer Universität, vor den Betroffenen selbst, nämlich lernwilligen Studenten referiert?
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