Startseite/ Tag 3 nach der Loveparade-Tragödie in Duisburg: Neue Opferzahlen. Ermittlungen dauern an. Kritik wächst.
Merkliste (0)Das Drama um die Loveparade in Duisburg hat sich noch einmal verschärft: Am gestrigen Abend ist eine weitere Schwerverletzte gestorben, so dass der Massenpanik im Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände nunmehr 20 Menschen zum Opfer fielen. Auch die Zahl der Verletzten musste noch einmal auf rund 500 nach oben korrigiert werden. Immer noch ermittelt die Staatsanwaltschaft den genauen Hergang der Katastrophe. Die Verantwortlichen der Stadtverwaltung und Veranstalter hüllen sich indes in Schweigen, OB Sauerland klammert sich an sein Amt – und die Fragen von allen Seiten wachsen.
Der Tunnel der Trauer: Drei Tage nach dem tragischen Ausgang der Loveparade herrscht dort lähmende Ruhe – dort, wo am Samstag noch tausende Menschen zusammengepfercht waren; dort, wo sie am Boden lagen; dort, wo das pure Chaos ausbrach; dort, wo Menschen starben. Ein Meer von Blumen und Kerzen, aber auch ein Meer von Tränen trauernder Menschen bestimmt das Bild im Zugangsbereich. Viele Hinterbliebene besuchen den Ort des Schmerzes, aber auch viele, die am Loveparade-Samstag selbst in der Menge waren, kehren zurück, um zu verarbeiten. Vergessen können, werden sie nie. Es bleibt die Trauer, es bleibt die Wut, vor allem aber bleiben bohrende Fragen: Wie konnte das nur geschehen?
Alle Sicherheitsbedenken leichtfertig abgetan?
Antworten gibt es noch keine. Doch: Es mehren sich die Anzeichen, dass die Duisburger Stadtspitze um Oberbürgermeister Adolf Sauerland und Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe massive Sicherheitsbedenken im Vorfeld leichtfertig ignoriert habe. Laut 'Kölner Rundschau' soll das entsprechende Sicherheitskonzept sogar erst am Morgen vor der Loveparade - als schon tausende Partywillige längst gen Duisburg unterwegs waren - endgültig von den Ordnungsbehörden unterschrieben worden sein. Zum Einen „normal“, da eine letzte Sicherheitsabnahme von Gelände, exakten Sicherheitsmaßnahmen, Abzäunungen und Co stets erst unittelbar vor Veranstaltungsbeginn erfolgt, eine grundsätzliche Genehmigung jedoch ganz klar bereits Wochen im Voraus. Zum Anderen aber angesichts der später eintretenden fatalen Ereignisse ein weiterer Hinweis für die grundlegend problematische Sicherheitslage rund um das Gelände der alten Güterhalle.
Gegenseitige Schuldzuweisungen: Aber was geschah wirklich?
Kritische Stimmen von Polizei und Feuerwehr habe es im Vorhinein zuhauf gegeben. Doch anscheinend habe massiver Druck auf die Stadtspitze bestanden, die Loveparade gerade im Kulturhauptstadtjahr im Revier stattfinden zu lassen – um jeden Preis! Der Loveparade-Veranstalter schob unterdessen der Duisburger Polizei die Schuld an der eingetretenen Massenpanik zu. Sie habe Anweisung gegeben, die Besucherschleusen vor dem Tunnel zu öffnen. Andere Stimmen sprachen wiederum davon, dass der Zugang zum Güterbahnhofsgelände zeitweise gerade NICHT geöffnet gewesen sei. Und das, obwohl auf dem Partyareal – wie Hubschrauberbilder auch belegen – noch Platz für tausende von Menschen gewesen wäre. So aber wurde der Zugangstunnel zum tödlichen Nadelöhr.
Hannelore Kraft fordert Konsequenzen
Auch die neue NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zeigte sich in einem ARD-Brennpunkt am gestrigen Abend schockiert und forderte als Konsequenz, in Zukunft derlei Großveranstaltungen in Sachen Sicherheitskonzept und Organisation zentralisiert dem Innenministerium zu unterstellen. Einen Art „Sicherheits-TÜV“ für Mega-Ereignisse in Größenordnung der Loveparade sei nur logisch. Unterstützung erhielt sie darin vom Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt.
OB Sauerland bleibt wohl doch im Amt
Der Duisburger OB Sauerland hat unterdessen angekündigt, aller Kritik zum Trotz im Amt bleiben zu wollen. Nachdem sein Rücktritt in Rathauskreisen gestern schon als sicher galt, stellte er überraschend klar, dass er mithelfen wolle, „die schrecklichen Ereignisse aufzuarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenzufügen“. Am Sonntag war er noch bei einem Kondolenz-Besuch am Loveparade-Gelände von Trauernden angegriffen worden.
-tv-
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