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Ein Eisbär für 30.000 Euro

Ein Eisbär für 30.000 Euro

 
Wirtschaft und Politik , Welt , Do. 04.02.2010, Autor: schlanstedt
 

Sie gelten als Sinnbild für die Opfer des Klimawandels: Eisbären. Nun muss der weiße Riese seinen Kopf im wahrsten Sinne des Wortes für eine andere Gefahr hinhalten. Die Jagd auf bedrohte Tierarten lockt immer mehr Hobbyjäger in die entlegensten Gebiete der Erde.

© Tina B./ pixelio.de
© Tina B./ pixelio.de
 

Die Westfalenhallen in Dortmund haben sich dieser Tage in eine künstliche Wildnis verwandelt. Die Messe Jagd und Hund ist wieder zu Gast. Und wieder einmal ist sie gewachsen. Die Anhängerschaft des martialischen „Sports“ findet immer neue Mitglieder. Ausgestopfte Steinböcke stehen in friedlicher Nachbarschaft neben bedrohlich aufgerichteten Braunbären. Auf den Fotos der Messestände scheinen die erlegten Ziegen, Rehe und Rinder teilnahmslos durch die Hallen zu blicken. So weit kein überraschender Anblick. Doch zwischen all den Geschöpfen, die man auf einer Jagdmesse erwartet, sticht ein Tier hervor, welches der Laie für geschützt hält: Eisbären.

Gleich mehrere Anbieter für Jagdreisen, in erster Linie aus Deutschland und Österreich, offerieren Touren in die frostigen Regionen Kanadas und Alaskas – ein sicherer Abschuss eines Polarbären inklusive. Steht der Eisbär nicht unter Schutz? Hören wir nicht täglich Horrorvisionen von schmelzendem Eis, welches den Tieren die Lebensgrundlage raubt? Steht der weiße Bär nicht unter Artenschutz? Verstoßen die Firmen und ihre Kunden ganz offen gegen geltendes Recht? Klare Antwort: Nein.

Der Ursus maritimus, so sein biologischer Name, ist in der Roten Liste der IUCN (Weltnaturschutzorganisation) unter vulnerable = gefährdet gelistet. Die Population der Tiere beträgt nach Schätzungen zwischen 20. Bis 25.000 Exemplare. Eine genaue Zahl ist nicht bekannt, gerade was die Verbreitung in Russland angeht sind die Angaben äußerst schwammig. Durch breit angelegte Schutzmaßnahmen erholte sich der Bestand der Eisbären, der in den 50er bis 60er Jahren auf circa 5.000 schrumpfte. Seit 1973 ist die Jagd auf Eisbären offiziell verboten. Doch gerade Kanada gestattet Ausnahmen. Indigene Völker dürfen Jagd auf die Tiere machen, wenn sie eine feste Quote einhalten. In Kanada liegt sie laut Angaben des WWF Deutschland zurzeit bei 500 Tieren. Das Problem: Die Einwohner verkaufen ihre Jagdlizenzen an ausländische Hobbyjäger, die sich die Hetzjagd auf einen der weißen Riesen plus deren Trophäen bis zu 35.000 Dollar kosten lassen. Möglich macht das eine Einfuhrerlaubnis für „Eisbärenprodukte“ der EU. Mehrere Naturschutzorganisationen wie Greenpeace und World Wide Fund For Nature (WWF), fordern daher ein absolutes Einfuhrverbot für Felle und Trophäen bedrohter Tiere, wie es sie in den USA bereits gibt.

Die Jagdquoten werden wohl eingehalten. Wirklich prüfen lässt sich allerdings nicht, wie viele Tiere in der arktischen Weite abgeschossen werden. Noch dazu suchen sich Jäger meist die großen, imposanten Männchen als Ziel aus, die für die Fortpflanzung, und damit für den Erhalt der Art, eine extrem wichtige Rolle spielen. Außerdem setzt die Wilderei in Russland den Tieren arg zu. Eine Angabe, wie viele Bären den Jägern dort zum Opfer fallen, ist nicht möglich. Die Abschüsse passieren in den entlegensten Gebieten der russischen Taiga.

Wölfe und Bartgeier gefährdet.

Besonders unter den Trophäenjagden leidet ein heimisches Tier. In Europa wird der Wolf gejagt. Nachdem die Tiere nach zähen Versuchen in einigen Teilen des Kontinents wieder erfolgreich angesiedelt wurden, erscheint ein Töten der Rudeltiere aus reinen Spaßgründen besonders bizarr. Ein erlegter Wolf gilt unter Jägern als Statussymbol. Hat man doch einen der erfolgreichsten Jäger der Wildnis erlegt. Ein echtes, wildes und gefährliches Tier eben. Das Wölfe eher scheu dem Menschen gegenüber sind, wird verschwiegen. Nach Angaben der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) sind Wolf und Bartgeier durch Trophäenjagden, zusätzlich zu allen anderen menschlich verursachten Gefahren, besonders bedroht. Im Frühling 2007 sind erstmals seit 122 Jahren wieder Bartgeier in freier Natur geschlüpft. Anders als beim Eisbären schützt diese Tiere nicht einmal der hohe Preis, den Hobbyjäger für eine Reise zahlen müssen. Das Rundum-sorglos-Paket einer Wolfsjagd kostet 1.400 Euro. Der getötete Wolf schlägt da gerade einmal mit 850 Euro zu Buche.

Ein Schutz der Tiere wäre, zumindest in dieser Hinsicht einfach, Die Europäische Union (EU) müsste die Einfuhr von Trophäen bedrohter Tierarten ganz verbieten. So verwerflich das Töten zum Spaß auf diesen Arten ist, so darf man nicht einfach mit dem Finger auf Jäger und Anbieter zeigen. Die Bedrohung der Tiere liegt in erster Linie an uns allen. Umweltverschmutzung, Zerstörung des Lebensraumes und Klimawandel tragen ihren Ursprung in unserem alltäglichem Lebensstil. Jeder Mensch kann seinen Teil dazu beitragen, dass Eisbär, Wolf und Co. von der Roten Liste wieder gestrichen werden.

-sos-
 

 

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