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Verantwortliche für Loveparade 2010 in Duisburg: Rainer Schaller

Verantwortliche für Loveparade 2010 in Duisburg: Rainer Schaller

 
Duisburg , Mo. 26.07.2010, Autor: voßnacke
 

„Einfach gut aussehen“ – Nicht nur Motto der von Rainer Schaller ins Leben gerufenen Fitnessstudiokette McFit, sondern scheinbar auch sein eigenes – gut dastehen lassen wollte er die Loveparade 2010 um jeden Preis. Nun steht der Unternehmer unter dem Vorwurf der Verantwortung 21 toter Menschen und 500 Verletzter bei der Loveparade 2010 in Duisburg.

Vor vier Jahren kaufte er das von der Stadt Berlin nicht mehr gewollte Event Loveparade und siedelte es kurzerhand um ins Ruhrgebiet. Um die Gründe für den Kauf machte er keinen Hehl: „Wir wollten mit einem relativ kleinen Budget einen hohen Bekanntheitsgrad für McFit erzielen“ – Eine Marketingstrategie um die Expansion des Unternehmens über die deutschen Grenzen hinaus vorzubereiten.

Viele sind sauer und werfen dem Geschäftsmann vor, die Massenveranstaltung nicht mit denselben Zielen, nämlich dem Spaß der Teilnehmer, zu organisieren. Auch Gründer des Mega-Rave Dr. Motte äußert sich in seinem Blog kritisch zum neuen Mr. Loveparade. Wenige Tage ist es nun her, da musste er vor den Augen der Welt verkünden, dass es die Loveparade nie mehr geben wird.

Ein herber Schlag für den Mann der Tat. Seit er 17 ist, „malocht“ der heute 41-jährige Rainer Schaller für seinen Erfolg. Nach einer kaufmännischen Ausbildung bei REWE übernimmt er mit 22 Jahren die Führung seines ersten eigenen REWE-Marktes, auf den drei weitere folgen. Als er merkt, dass ihm dieser Sektor nicht liegt, verkauft er zwei Läden und eröffnet kurzerhand sein erstes Billig-Fitnessstudio in Würzburg. Schon damals versteht er es zu werben und gaukelt seinen Kunden mit Werbung á la „Jetzt auch in Würzburg“ vor, dass sie nun in einer bereits etablierten Kette ihr Training beginnen. Eine knallharte Lüge, über die Schaller sich heute amüsiert. Hat ja schließlich geklappt!

Schaller überrascht von formalen Vorgaben bei Loveparaade-Sicherheitskonzept

Nachdem die Loveparade im Jahr 2009 von Bochum abgesagt worden ist, wollte Schaller in diesem Jahr nicht umsonst planen. Mit einem überzeugten Oberbürgermeister an seiner Seite, musste er um die Realisierung seiner Pläne scheinbar auch nicht bangen. Im selben Sitzungsprotokoll, welches auch schon Sicherheits-Dezernent Wolfgang Rabe in schlechtes Licht rückt, wird klar, wie unbekümmert Herr Schaller und seine Firma Lopavent an die Probleme der Loveparadekonzeption herantreten. Darin heißt es, sie seien überrascht, welche rechtlichen und formalen Anforderungen die Bauordnung stellen würde.

Die besagte Bauordnung hatte die Bedingung gestellt, dass auf 220.000 Menschen mindestens 440 Meter Fluchtwege kommen müssten. Als Reaktion seitens Lopavent wollte man auf nur 155 Meter Fluchtwege bestehen, mit der Begründung nach deren Erfahrungen sei es ausreichend, wenn ein Drittel der Personen entfluchtet werden könne.

Auch in seinen öffentlichen Äußerungen ist Rainer Schaller nicht sonderlich bedacht. Wie bekannt ist, meldete er bei der Stadt Duisburg eine Veranstaltung an, die für 500.000 Personen ausgelegt sein sollte. Vor laufender Kamera, womöglich vom Partyrausch beflügelt, beantwortete er einige Minuten vor dem großen Unglück die Frage des Reporters, wie die Lage wäre, mit: „Wow, es ist echt eng, das ist sicher eine Million und der Platz ist richtig voll“.

Rainer Schallers Reaktion auf die Massenpanik, in deren Folge bis heute 21 Menschen zu Tode gekommen sind, war zunächst Sprachlosigkeit. Nun hat er Anzeige gegen die Einsatzleitung der verantwortlichen Polizei gestellt, da er der Meinung ist darin den Schuldigen gefunden zu haben. Sein Vorwurf: die Polizisten hätten die Flut der vom Bahnhof kommenden Menschen nicht gestoppt, was der einzige Grund für die enorme Stauung vor der Rampe hätte sein können.

Loveparade-Schuldfrage auch für Schaller

Wie viel Schuld Schaller an der Tragödie trägt und welche Konsequenzen das für ihn und den Ruf seiner Fitnessstudiokette McFit hat, werden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergeben. Glücklicherweise hat er einen seiner Edeka-Läden im Heimatort Schlüsselfeld für schlechte Zeiten behalten – „Man weiß ja nie“.

 

Lesen Sie hier Hintergrundinformationen zu den anderen Köpfen der Loveparade: Oberbürgermeister der Stadt Duisburg Adolf Sauerland und Dezernent für Sicherheit und Recht Wolfgang Rabe.

 

-de-
 

 

 

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