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WAHL-CHECK: Sylvia Löhrmann (Spitzenkandidatin, Die Grünen)

WAHL-CHECK: Sylvia Löhrmann
(Spitzenkandidatin, Die Grünen)

 
Ruhrgebiet , Mo. 03.05.2010, Autor: voßnacke
 

Sylvia Löhrmann (53) ist gebürtige Essenerin, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Düsseldorfer Landtag sowie vor allem Spitzenkandidatin für die NRW-Wahl am 9.Mai. Wird sie die Frau sein, die die Grünen aus der Opposition heraus in eine Koalition mit der CDU führt oder läuft doch alles auf eine rot-grüne Wunsch-Koalition hinaus? Was sind die Ziele der Grünen nach der Wahl? Das und noch viel mehr gibt das „Kind des Ruhrgebiets“ im Ruhrportal.de-Wahl-Check preis.

© Die Grünen
© Die Grünen
 

 

1) Was waren die – Ihrer Meinung nach – drei größten Sünden bzw. Errungenschaften der jetzigen Regierung?

Die CDU/FDP-Regierung hat mit Studiengebühren, Turbo-Abi und dem Festhalten an der Selektion im Schulsystem die soziale Spaltung verschärft und den Bildungsaufstieg erschwert, statt ihn zu erleichtern. Sie hat fünf Jahre beim Klimaschutz verschlafen, statt im Energieland NRW die notwendige Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien, Effizienz und Einsparung einzuleiten. Und die Landesregierung hat durch Kürzungen bei Frauenhäusern, Arbeitslosenzentren und Suchthilfe Hand an gewachsene soziale Strukturen angelegt bis hin zu ihrer Zerschlagung, gepaart mit einer kommunalfeindlichen Finanzpolitik, so dass den Städten und Gemeinden buchstäblich das Wasser bis zum Hals steht.

2) Was verbinden Sie persönlich mit dem Ruhrgebiet?

Mit dem Ruhrgebiet verbinde ich in erster Linie meine Kindheit und Schulzeit im Essener Norden (BMV), mein Studium an der Ruhruni in Bochum und meine Referendarzeit in Duisburg - ein erfolgreicher Bildungsaufstieg! Diese vielen Jahre im Pott haben mich persönlich und politisch, aber auch im Hinblick auf meine Vorliebe für den Fußball, geprägt. Heute bin ich als Solingerin gerne und oft Gast in meiner alten Heimat: einerseits politisch, andererseits auch kulturell. Dabei besuche ich die RuhrTriennale genauso gerne wie das Bochumer Schauspielhaus.

3) Was können und werden die langfristigen Wirkungen des Kulturhauptstadtjahres für NRW über 2010 hinaus sein?

Das Ruhrgebiet als ein Teil der nordrhein-westfälischen Seele wird endlich nicht mehr nur in Klischees betrachtet werden, sondern seine Qualitäten sind bundesweit und auch international sichtbar. Längst ist „der Pott“ mehr als Kohle und Maloche. Dazu hat der Fußball schon seinen Beitrag geleistet, jetzt ist die Kultur an der Reihe. Darüber hinaus erhoffe ich mir natürlich auch ein nachhaltig wirksames Zusammenwachsen der "Metropole Ruhr".

4) Wo sehen Sie die dringendsten Herausforderungen/Probleme in NRW und speziell im Ruhrgebiet? Wie wollen Sie diese lösen?

Drei große Herausforderungen warten auf unser Land. Erstens der globale Klimawandel, der regionale Antworten braucht. Hier ist gerade das Energieland Nummer eins gefordert. Wenn wir hier keine Energiewende hinbekommen, kann sich ganz Deutschland von den Klimaschutzzielen verabschieden. Zweitens brauchen wir die beste Bildung für Alle. Von der frühkindlichen Bildung und der Kita, über Schule, Ausbildung, Hochschule bis hin zu Weiterbildung müssen wir ein leistungsstarkes und gerechtes Bildungssystem schaffen. Die dritte Herausforderung ist die Bekämpfung der sozialen Spaltung. Hierzu gehört unser Green New Deal mit den 200.000 neuen Arbeitsplätzen, hierzu gehört die beste Bildung für Alle.

5) Wie wollen Sie den notleidenden Kommunen in NRW und speziell im Revier helfen, die vor dem finanziellen Abgrund stehen?

Gerade im Ruhrgebiet, aber auch im Bergischen Land, stehen unsere Kommunen vor dem Kollaps. Die schwarz-gelbe Regierung hat einen beispiellosen Raubzug durch die Kommunen veranstaltet und ihnen Milliarden entzogen. Wir brauchen aber unsere Schwimmbäder, Theater und Schulgebäude. Die Städte und Gemeinden sind die Lebensadern unserer Demokratie. Wir brauchen also vordringlich einen Rettungsschirm für die überschuldeten Kommunen. Wenn Banken systemrelevant sind, sind es unsere Städte und Gemeinden erst recht. Mit einem Altschuldenfonds wollen wir die Städte und Gemeinden von den immensen Zinslasten befreien.

6) Wie ist Ihre Position zu den Bildungsstreiks der vergangenen Monate an den Hochschulen in NRW? Was muss Ihrer Meinung nach getan werden?

Wir GRÜNE sind solidarisch mit den Streikenden und haben dies auch im Parlament zur Sprache gebracht. Die Bologna-Reform mit Bachelor und Master ist von der Politik nicht ausreichend begleitet und vorbereitet worden. Die Verschulung des Studiums entspricht nicht unserer Vorstellung einer ganzheitlichen Bildung. Die vermeintliche Hochschulfreiheit ist zur Gängelung und Zwangsjacke der Studierenden geworden.

7) Was ist Ihre Vision für ein neues NRW und Ruhrgebiet in der Zukunft?

NRW und das Ruhrgebiet waren immer dann stark, wenn sie die Zukunft anführten. So waren sie Motor für das Wirtschaftswunder - und so können und müssen sie auch Motor für ein grünes Wirtschaftswunder werden. Unser Grüner Zukunftsplan für NRW ist unsere Vision auch für das Ruhrgebiet.

8) Was ist das Wahlziel Ihrer Partei? Und wie geht die Wahl aus?

Unser Ziel ist ein zweistelliges Ergebnis, wir wollen unseren dritten Platz ausbauen und dann unseren Grünen Zukunftsplan für NRW möglichst in einer rot-grünen Regierung umsetzen.

-tv-

 

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